Methode des Monats Januar 2008

Gleich zu Jahresbeginn geht eine neue Kategorie am munterblog an den Start. Monat für Monat wird hier eine der Munterrichtsmethoden im Mittelpunkt stehen. In einem Beitrag stellen wir die Methode vor, in weiteren gibt’s Varianten von uns und von Nutzern. Wir freuen uns, wenn Sie berichten, welche Erfahrungen Sie mit den Methoden machen.

Schwärzen

Vor Ihren Teilnehmern liegt ein kurzer Text. Die Lernenden haben die Aufgabe, den Text zu lesen und die wichtigsten Inhalte herauszufiltern. Nun gehen viele mit bunten Textmarkern ans Werk. Das ist eine prima Lesetechnik. Nur manchmal sind am Ende fast alle Passagen des Textes als wichtig markiert. Der Vorteil: Die Markierung bietet dem Lernenden unmittelbares Sachfeedback und zeigt: “Wow, das alles habe ich schon bearbeitet.” Der Nachteil: Eine wirklich gute Auswahl ist möglicherweise noch nicht getroffen.

Ganz anders bei der Munterrichtsmethode Schwärzen. Hier gibt’s keinen Textmarker sondern einen satt schreibenden schwarzen Flip Chart Marker. Die Leser haben die Aufgabe, all das wegzustreichen, was sie für unwichtig halten. An der Tinte soll dabei nicht gespart werden. Ziel ist, die zentralen Aussagen herauszuschälen.

Lernende reagieren auf diese Methode ganz unterschiedlich. Während die einen fröhlich wegstreichen und sich freuen, dass sie endlich mal Ballast der vielen Informationen abwerfen können, zögern die anderen: “Und was, wenn ich zu schnell und zu unüberlegt wegstreiche?”

Das Schwärzen zwingt uns dazu, sehr genau zu lesen und zu überlegen, wo unserer Ansicht nach die Schwerpunkte liegen. Eine schöne Methode, die sich zur Bearbeitung kurzer Texte eignet.

Eine ausführlichere Methodenbeschreibung sowie Beispiele finden Sie im Munterrichtsmethodenbuch oder hier.

Was machen Sie für Erfahrungen mit der Methode? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

4 Responses to “Methode des Monats Januar 2008”

  1. Matthias Zimmermann says:

    Guten Tag,
    mit dem Schwärzen mache ich sehr gute Erfahrungen. Ich gebe den Teilnehmern die Aufgabe, in dem Text alles bis auf fünf zentrale Worte zu schwärzen. Eine echte Herausforderung bei meinen Texten! Das sind zum Beispiel die pastoralen Leitlinien des Erzbistums Freiburg oder auch das Glaubensbekenntnis. Priester, Pastoral- und Gemeindereferenten oder junge Erwachsene bitte ich, nur die fünf für sie zentralen Worte übrig zu lassen. Das fällt den Leuten anfangs oft schwer – aber da zeige ich wenig Bereitschaft zu Kompromissen. Wie im Buch beschrieben, gebe ich den Leuten eine Zusatzkopie. Dann lassen sie sich darauf ein. Und immer wieder ist das Schwärzen eine sehr gute Diskussionsvorlage. Ein O-Ton eines Teilnehmers: “Ich wußte erst nicht, weshalb mir dieses Wort so wichtig ist und ich es einfach nicht streichen konnte. Beim längeren Nachdenken ist es mir klar geworden.”
    Matthias Zimmermann, Immendingen

  2. Harald Groß says:

    Hallo Herr Zimmermann,
    vielen Dank für Ihren Bericht. Oho! In Glaubenssachen wird das Schwärzen ja wahrlich spannend. Die Methode zwingt mich hier wirklich, mich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen und mich zu entscheiden. Toll, wie Sie beschreiben, dass Sie bei der Anleitung wenig Bereitschaft zu Kompromissen zeigen. Das erlebe ich auch immer wieder. Der klare Auftrag, es auf das Wesentliche zu reduzieren und wirklich das Unwichtige wegzuschwärzen, der macht die Munterrichtsmethode so spannend!
    Vor einiger Zeit war eine Gruppe von Rechtsanwälten im Munterrichtsmethodenworkshop. Die haben länger debattiert, ob sie das Schwärzen auch bei Gesetzestexten einsetzen wollen. Vielleicht erfahren wir hier dazu ja bald mehr?
    Harald Groß

  3. Das Schwärzen ist eine Methode, die ich in meinen Seminaren sehr gerne einsetze. Und zwar aus folgendem Grund: Die Technik schult Teilnehmer/innen darin, sich auf das absolut Wesentliche zu beschränken. Das ist in meinen Seminaren stets das A und O. Egal ob bei der Entwicklung von PR-Konzeptionen, der Erarbeitung persönlicher Marken-Strategien oder in meiner Textwerkstatt: Immer geht es darum, Menschen durch wenige zugespitzte Informationen zu überzeugen. Diese Fähigkeit wird mit dem Schwärzen trainiert.

    Dabei nutze ich zwei verschiedene Vorgehensweisen: Entweder ich nutze einen x-beliebigen Text aus der aktuellen Tagespresse und bitte die Teilnehmer/innen, alles zu streichen, was nicht unbedingt nötig ist um den Inhalt zu verstehen. Wer die meisten Textteile gestrichen hat, hat gewonnen.

    Oder ich lasse selbst erstelle Texte meiner Teilnehmer/innen von anderen aus der Gruppe mit der Methoden des Schwärzens bearbeiten. Sie glauben gar nicht, wie erstaunt viele über das Ergebnis sind: Zum ersten Mal sehen sie schwarz auf weiß, wieviel sie hätten streichen können, um die Grundaussage nicht zu gefährden. Das ist eine wichtige Erfahrung, die im Berufsalltag hilft, schneller auf den Punkt zu kommen.

    Viel Spaß beim Nutzen dieser Methoden wünscht

    Rupert Prossinagg

  4. Harald Groß says:

    Hallo Rupert Prossinagg,

    vielen Dank für Ihren Bericht. In wenigen Wochen erprobe ich die Munterrichtsmethoden mit Marketingdozenten und werde Ihre Varianten für die Entwicklung von PR-Strategien gerne weitergeben.

    Klasse finde ich Ihre Idee, das Schwärzen als Wettbewerb auszurufen. Das bringt manche Menschen bestimmt schwer unter Druck. Aber es fordert sicherlich mächtig heraus. Mehr Gedanken zu Wettbewerben und den Munterrichtsmethoden in wenigen Tagen hier im Blog!

    Harald Groß