Archive for February, 2008

Mindestalter für Munterrichtsmethoden?

Tuesday, February 26th, 2008

„Wie alt sollten die Lernenden sein, um mit den Munterrichtsmethoden gut arbeiten zu können?“ Mit der Frage nach einem empfohlenen Mindestalter für die Munterrichtsmethoden habe ich mich in den letzten Wochen immer wieder beschäftigt.

Ursprünglich entstanden die Munterrichtsmethoden in der Praxis der beruflichen Weiterbildung von Erwachsenen. Hier haben sie ihre Wurzeln. In Lernsituationen Erwachsener in Fort- und Weiterbildung, Ausbildung und Studium werden sie für unterschiedlichste Themen eingesetzt: Für Hardfacts im Rentenrecht oder den Wirtschaftswissenschaften ebenso wie bei den Softskills von Teamentwicklung bis Zeitmanagement.

Neben den vielen thematischen Einsatzfeldern in der Erwachsenenbildung beobachte ich mit Interesse, dass in einem ganz anderen Bereich eifrig mit den Munterrichtsmethoden experimentiert wird: Immer wieder nehmen Lehrerinnen und Lehrer an den Workshops teil, lesen die Bücher und berichten von ihren Munterrichtserfahrungen.

Dass mit den Methoden mit Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen gut gearbeitet werden kann, ist nicht neu. In vielen Kursen haben wir selbst mit Jugendlichen munterrichtet. Zum Beispiel bei unseren Seminaren zur Abiturvorbereitung im Bildungshaus Hechingen. Aber wie sieht das Ganze mit Grundschülern aus? Wo genau liegt die Altersgrenze? Was müssen die Schülerinnen und Schüler können, damit es mit den Methoden funktioniert?

Nach einem Munterrichstmethodenworkshop in Berlin haben wir in den letzten Wochen einige Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer gefragt, welches Mindestalter sie empfehlen. Hier ein paar Statements:

„Ich arbeite ausschließlich in Klasse 3. Für meine Klasen kann ich mir folgende Methoden vorstellen: Von A bis Z, Stimmt’s oder stimmt’s nicht?, Stuhlorakel, Blind entscheiden, Lehr-Lernrundgang, Schätzfrage, Wiederholungspost, Dingfest machen.“

„Bei den meisten Methoden müssen die Schüler lesen und schreiben können, sicher sein im Ausdruck. Daher ca. ab 4./5. Klasse. Manche auch erst ab Klasse 7.“

„1. Klasse ohne Schreiben. 5./6. Klasse Diskussionsmethoden. Ich glaube, die meisten Methoden sind für das Grundschulalter gut geeignet.“

Viele der befragten Lehrerinnen und Lehrer empfahlen als Mindestalter Klasse 3 und 4. Mich interessiert: Was sagen andere Grundschullehrer?

Ich bin neugierig und frage in die Weiten des Netzes. Welche Grundschullehrer haben Lust, sich die Munterrichtsmethoden anzuschauen und eine Altersempfehlung auszusprechen? Schreiben Sie mir eine Mail. (info@munterrichtsmethoden.de). Die ersten fünf Lehrer versorge ich mit einem Gratisexemplar der Munterrichtsmethoden und bin gespannt auf Ihre Einschätzung.

Auf zur Didacta

Monday, February 18th, 2008

Am Dienstag öffnet die Bildungsmesse Didacta in Stuttgart für vier Tage mit einem reichhaltigen Programm rund um Lernen, Lehren und Weiterbildung ihre Tore. Wir freuen uns, dabei zu sein und laden Sie herzlich zu unseren Angeboten im Trainercafe des Trainertreffens Deutschland ein. Dort gibt’s Workshops, Diskussionen und Angebote satt. Wir sind am Dienstag um 11.00 Uhr dran. Hier können Sie mit Harald Groß einige Klassiker der Munterrichtsmethoden erleben. Zum Beispiel “Schwärzen“, “Blindes Votum” und die “Flammende Rede“.

Um 13.30 Uhr stellt Gert Schilling Ideen für wirkungsvolles Präsentieren mit Laptop und Beamer vor. Hier gibt’s hilfreiche Tipps vom Profi, wie Sie Ihre Charts inszenieren und sinnvoll nutzen können.

Besonders freue ich mich, dass gleich nach den Munterrichtsmethoden Michael Grinder im Trainercafe referiert. Über seine Arbeiten zu “Pentimento” und nonverbaler Kommunikation haben wir letzte Woche hier im Blog berichtet. Bei ihm geht’s am Dienstag um die Frage, wie Trainer die Fomierung von Gruppen unterstützen können. Ich bin sehr gespannt!

Wir freuen uns auf den Tag auf der Didacta, auf viele gute neue Ideen und auf ein Treffen mit Ihnen!

Die erwähnten Programmpunkte für Sie en Detail:

Ein Lesetipp (ein Lesemuss?) für Trainer, Ausbilder, Lehrer und Dozenten

Friday, February 15th, 2008

Dynamik in Gruppen – Handbuch der Gruppenleitung

„Man glaube nicht, dass eine einmalige flüchtige Lektüre von Hauptwerken einer Wissenschaft, welche mühsameres Studium erfordern, hinreichend sei, sondern lese diese Werke in größeren Zwischenräumen mehreremal.“ Diesen Rat gab der Berliner Professor Kiesewetter seinen Studenten im Jahr 1811. Heute möchte ich Ihnen ein Buch empfehlen, das aus meiner Sicht für uns Trainer, Ausbilder, Lehrer und Dozenten zu den ganz großen Hauptwerken zählt. Ich selbst kann es gar nicht oft genug lesen – und finde es immer wieder aufs Neue spannend und gewinnbringend.

Das sind große Worte. „Was bietet es nun, das Buch?“: Eberhard Stahl beschreibt in dem nahezu vierhundertseitigen Werk das Leben von Gruppen. Mit eingängigen Modellen, verständlichen Bildern und vielen Beispielen aus der Praxis nimmt er die Dynamik in Lern- und Arbeitsgruppen unter die Lupe. Im Zentrum steht das vielerseits bekannte Entwicklungsmodell von Gruppen nach Tuckman. Es beschreibt die Phasen Forming, Storming, Norming, Performing und Reforming. „Alles schon mal gehört“ – denken Sie vielleicht. Das dachte ich auch, doch das Buch hat mich eines besseren belehrt. Eberhard Stahl benennt die verschiedenen Phasen nicht nur, er analysiert sie aus vielen verschiedenen Blickwinkeln. Er deckt auf, welche Aufgaben wir als Trainer in den verschiedenen Phasen haben und beschreibt unsere Rollen mit einprägsamen Bildern. So prüfe ich inzwischen immer wieder, in welcher Rolle ich in der Gruppe gerade gefragt bin: Als fürsorgender Pate, als Sprengmeister, als Notar oder schließlich als Arbeitsloser, der sich zurückzieht und die Gruppe machen lässt. Doch das Buch bleibt nicht nur bei der Analyse. Es gibt konkrete Hilfestellungen für die vielen dynamischen Situationen, die wir als Leiterinnen und Leiter von Gruppen erleben können.

Mir hat das Buch einen ganz neuen Blick auf Gruppen und meine Arbeit als Gruppenleitung eröffnet. Ehrlicherweise muss ich hinzufügen: Als ich „Dynamik in Gruppen“ vor zwei Jahren im Sommerurlaub zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich sehr verunsichert. „Oh je. Wenn das Leben und Arbeiten in Gruppen so komplex ist, kann ich gar nicht mehr als Trainer antreten“. Die Verunsicherung ist in der Praxis schnell wieder verflogen. Was blieb, ist eine Vielzahl von sehr hilfreichen Erkenntnissen, Modellen und Tipps für die Gruppenarbeit.

Eröffnet wird das Buch mit einem Geleitwort von Kommunikationsexperte Friedemann Schulz von Thun. Seinem Fazit kann ich nur zustimmen: „Wenn ich heute einen Wunsch offen hätte, dann den: Dass dieses Buch hierzulande bald zur Allgemeinbildung gehören möge!“

Pentimento – ein System für nonverbale Kommunikation – vorgestellt beim Trainertreff Berlin Brandenburg

Monday, February 11th, 2008

Um die Kunst der nonverbalen Kommunikation ging es beim ersten Abend des Trainertreffs Berlin Brandenburg am vergangenen Freitag. Beate Lüdke und Edmund Brzezinski stellten die Arbeiten des Amerikaners Michael Grinder vor. Der erforschte in den vergangenen Jahren 21 Muster nonverbaler Kommunikation. Für mich war das sehr spannend, denn viel habe ich mich bislang mit Mustern verbaler Kommunikation befasst: Mit den Arbeitspräferenzen nach Margerison und Mc Cann zum Beispiel, oder mit den Language and Behavior Mustern von Baleys und Charvet. Die nonverbale Kommunikation, die gerade in der Arbeit als Trainer entscheidenden Einfluss auf die Wirkung unserer Kommunikation hat, kam da bislang eher zu kurz. Die beiden Referenten haben mich beim Trainertreff sehr neugierig auf das System gemacht. Ein paar wenige Muster haben sie vorgestellt, uns Teilnehmer erarbeiten lassen. Beeindruckt hat mich zum Beispiel folgende Unterscheidung: Schon in den ersten Minuten können wir allein über die nonverbalen Signale beobachten, wer da in unserem Seminarraum sitzt: Grinder bietet zwei ganz einfach Unterscheidungen: Hunde und Katzen. Die Hunde nicken uns Referenten zu, suchen Blickkontakt, Kommunikation und Beziehung. Ganz anderes die Katzen. Sie halten sich eher zurück, suchen Herausforderungen und Gegner, mit denen es sich lohnt, sachlich zu kämpfen. Heute morgen hatte ich es eindeutig mit Hunden zu tun!

Als Fan hilfreicher Modelle weckte Pentimento mein Interesse. Habe mir auf der Website die zwei Bücher von Michael Grinder bestellt. Der Begriff Pentimento kommt übrigens ursprünglich aus der Kunst und beschreibt die Spuren auf Graphiken und Gemälden, die erkennen lassen, dass während der Produktion des Bildes Korrekturen am Werk vorgenommen oder andere Bilder übermalt wurden.

Was hinter dem Modell steckt, werde ich in den nächsten Wochen erkunden – und berichten. Vielen Dank für den schönen Abend beim Trainertreff!

Verweise

Methode des Monats Februar 2008

Saturday, February 9th, 2008

Die Tage werden wieder länger! In Berlin ging die Sonne heute schon um 7.36 Uhr auf – und erst um 17.02 wieder unter. Merklich schneller geht es ab jetzt Minute für Minute auf die helleren Tage zu. Passend dazu sind Schnelligkeit und Tempo auch die Würze der Methode des Monats im Februar 2008. Viel Spaß mit der Tempo-Thesen-Runde!

Tempo-Thesen-Runde

Bei diesem Namen vermuten Sie schon: Hier geht es zackig zur Sache. Rund um Ihr Lehrgebiet schreiben Sie auf Karten oder Zettel verschiedene Thesen. Dann wird es für die Lernenden noch spannender. Als Beispiel ein paar Thesen zum Thema „Lampenfieber“.

  • „Mit ein wenig persönlichem Aberglauben kann man eine Menge gegen Lampenfieber und Prüfungsangst tun.“
  • „Die Schule ist eine Brutstätte für Lampenfieber und Prüfungsangst.“
  • „Lampenfieber lässt sich nicht einfach mit ein paar schlauen Tipps abtrainieren.“

Mischen Sie dabei Aussagen, die bei den Lernenden vermutlich breite Zustimmung finden, mit gewagten, provokanten oder verrückten Thesen wie beispielsweise dieser:

  • „Wenn es kein Lampenfieber gäbe, hätten wir viel zu viele Menschen, die unbedingt vorne auf der Bühne stehen wollen. Ein Glück, dass es diese Auswahl gibt.“

Je nach Anzahl der Teilnehmer fordern Sie alle oder nur wenige Freiwillige auf, eine (noch verdeckte) These zu ziehen. Sie erklären: „Sie bekommen jetzt jeder eine These zu unserem Thema. Bitte schauen Sie sich diese These an, und denken Sie über die Aussage nach. Nach ein wenig Bedenkzeit werde ich Sie bitten, nacheinander nach vorne zu kommen und uns zunächst Ihre These vorzulesen. Dann bitte ich Sie, Position zu dem von Ihnen gezogenen Satz zu beziehen. Erörtern Sie, wie Sie zu der Aussage stehen und was Sie dazu denken. Gerne können Sie dabei Ihre persönlichen Erfahrungen mit ins Spiel bringen. Für Ihr Statement haben Sie nur 90 Sekunden Zeit – wir machen schließlich eine Tempo-Thesen-Runde.“

Während die Adrenalinspiegel in der Runde steigen, verteilen Sie die Thesen. Nach der ersten Aufregung bereiten sich die Teilnehmer für ihren kleinen Auftritt vor. Je nach Gruppe gebe ich Ihnen 2, 3 oder 5 Minuten Zeit zur Vorbereitung. Dann geht es los. Schwungvoll eröffnen Sie die Tempo-Thesen-Runde. Vielleicht bitten Sie die Gruppe nach der ersten Anmoderation um einen Applaus für den ersten Mutigen. Der erste Teilnehmer tritt vor und erklärt:

„Meine These lautet: ´Lampenfieber lässt sich nicht einfach mit ein paar schlauen Tipps abtrainieren.´ Ich stimme dieser These einerseits zu. Wie wir gestern gehört haben, hat Lampenfieber meist viele Ursachen. Zum Beispiel die Angst, zu versagen, sich zu blamieren. Es handelt sich also um eher tiefer liegende Gründe. Allerdings widerspreche ich dieser These auch. Ich selbst habe schon oft erlebt, dass ganz einfache, schlaue Tipps Wunder wirken können.“

Jetzt folgt der nächste Teilnehmer. Sie können aber auch erst einmal in die Runde fragen, wie die anderen Lernenden zu dieser These und der vorgetragenen Position stehen, und zu einer zeitlich begrenzten Diskussion auffordern.

Die Tempo-Thesen-Runde passt für jedes Thema, über das man kontrovers diskutieren kann.

Bei der Methode können die Lernenden ganz schön ins Schwitzen kommen. Sie eignet sich daher für Gruppen, die miteinander, mit dem Thema, der Lernsituation und mit Ihnen als Trainer schon ein wenig vertraut sind.

Wer hat schon Erfahrungen mit der Tempo-Thesen-Runde gemacht? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare!