Methode des Monats Februar 2008

Die Tage werden wieder länger! In Berlin ging die Sonne heute schon um 7.36 Uhr auf – und erst um 17.02 wieder unter. Merklich schneller geht es ab jetzt Minute für Minute auf die helleren Tage zu. Passend dazu sind Schnelligkeit und Tempo auch die Würze der Methode des Monats im Februar 2008. Viel Spaß mit der Tempo-Thesen-Runde!

Tempo-Thesen-Runde

Bei diesem Namen vermuten Sie schon: Hier geht es zackig zur Sache. Rund um Ihr Lehrgebiet schreiben Sie auf Karten oder Zettel verschiedene Thesen. Dann wird es für die Lernenden noch spannender. Als Beispiel ein paar Thesen zum Thema „Lampenfieber“.

  • „Mit ein wenig persönlichem Aberglauben kann man eine Menge gegen Lampenfieber und Prüfungsangst tun.“
  • „Die Schule ist eine Brutstätte für Lampenfieber und Prüfungsangst.“
  • „Lampenfieber lässt sich nicht einfach mit ein paar schlauen Tipps abtrainieren.“

Mischen Sie dabei Aussagen, die bei den Lernenden vermutlich breite Zustimmung finden, mit gewagten, provokanten oder verrückten Thesen wie beispielsweise dieser:

  • „Wenn es kein Lampenfieber gäbe, hätten wir viel zu viele Menschen, die unbedingt vorne auf der Bühne stehen wollen. Ein Glück, dass es diese Auswahl gibt.“

Je nach Anzahl der Teilnehmer fordern Sie alle oder nur wenige Freiwillige auf, eine (noch verdeckte) These zu ziehen. Sie erklären: „Sie bekommen jetzt jeder eine These zu unserem Thema. Bitte schauen Sie sich diese These an, und denken Sie über die Aussage nach. Nach ein wenig Bedenkzeit werde ich Sie bitten, nacheinander nach vorne zu kommen und uns zunächst Ihre These vorzulesen. Dann bitte ich Sie, Position zu dem von Ihnen gezogenen Satz zu beziehen. Erörtern Sie, wie Sie zu der Aussage stehen und was Sie dazu denken. Gerne können Sie dabei Ihre persönlichen Erfahrungen mit ins Spiel bringen. Für Ihr Statement haben Sie nur 90 Sekunden Zeit – wir machen schließlich eine Tempo-Thesen-Runde.“

Während die Adrenalinspiegel in der Runde steigen, verteilen Sie die Thesen. Nach der ersten Aufregung bereiten sich die Teilnehmer für ihren kleinen Auftritt vor. Je nach Gruppe gebe ich Ihnen 2, 3 oder 5 Minuten Zeit zur Vorbereitung. Dann geht es los. Schwungvoll eröffnen Sie die Tempo-Thesen-Runde. Vielleicht bitten Sie die Gruppe nach der ersten Anmoderation um einen Applaus für den ersten Mutigen. Der erste Teilnehmer tritt vor und erklärt:

„Meine These lautet: ´Lampenfieber lässt sich nicht einfach mit ein paar schlauen Tipps abtrainieren.´ Ich stimme dieser These einerseits zu. Wie wir gestern gehört haben, hat Lampenfieber meist viele Ursachen. Zum Beispiel die Angst, zu versagen, sich zu blamieren. Es handelt sich also um eher tiefer liegende Gründe. Allerdings widerspreche ich dieser These auch. Ich selbst habe schon oft erlebt, dass ganz einfache, schlaue Tipps Wunder wirken können.“

Jetzt folgt der nächste Teilnehmer. Sie können aber auch erst einmal in die Runde fragen, wie die anderen Lernenden zu dieser These und der vorgetragenen Position stehen, und zu einer zeitlich begrenzten Diskussion auffordern.

Die Tempo-Thesen-Runde passt für jedes Thema, über das man kontrovers diskutieren kann.

Bei der Methode können die Lernenden ganz schön ins Schwitzen kommen. Sie eignet sich daher für Gruppen, die miteinander, mit dem Thema, der Lernsituation und mit Ihnen als Trainer schon ein wenig vertraut sind.

Wer hat schon Erfahrungen mit der Tempo-Thesen-Runde gemacht? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare!

One Response to “Methode des Monats Februar 2008”

  1. Kurz gesagt: Die Tempo-Thesen-Runde ist meine Lieblingsmunterrichtsmethode! Da gehts zackig zur Sache. Ich nutze sie zum Beispiel in meinem Zeitmanagementseminaren zum Einstieg in das Thema “Planung”. Mit den formulierten Thesen bekomme ich gleich
    ohne wenn und aber die kritischen Themen auf den Tisch.
    Hier meine Tempo-Thesen zum Theme Planung:
    – Mit 10 Minuten mehr Planungsarbeit am Tag kann man eine Stunde Zeit
    einsparen.
    – Tagesplanung macht unflexibel. Ohne Planung kann man viel besser reagieren.
    – Planung macht eher Angst, weil dadurch die Fülle der Aufgaben sichtbar wird.
    – Eine Zeitplanung bringt nur etwas, wenn man sich 100% konsequent daran hält.
    – Planen ist Zeitverschwendung, weil dauernd etwas Neues auf den Tisch kommt und den Plan sowieso durchkreuzt.
    – Es ist besser die Aufgaben einfach anzugehen als lange zu planen.
    – Eine Aufgabe benötigt immer soviel Zeit wie zur Verfügung steht.

    Die Thesen laden dazu ein, differenziert über das Thema Planung zu reflektieren. Denn auch hier gibt es wie so oft nicht nur schwarz und weiss. Nach der Tempo-Thesen-Runde entbrennt immer eine spannede Diskussion zwischen den einzelnen Planungstypen über ihre Planungsphilosophien. Das ist of sein sehr lehrreicher Austausch.

    Danke an die Tempo-Thesen-Runde.

    Gert Schilling