Ein Lesetipp (ein Lesemuss?) für Trainer, Ausbilder, Lehrer und Dozenten

Dynamik in Gruppen – Handbuch der Gruppenleitung

„Man glaube nicht, dass eine einmalige flüchtige Lektüre von Hauptwerken einer Wissenschaft, welche mühsameres Studium erfordern, hinreichend sei, sondern lese diese Werke in größeren Zwischenräumen mehreremal.“ Diesen Rat gab der Berliner Professor Kiesewetter seinen Studenten im Jahr 1811. Heute möchte ich Ihnen ein Buch empfehlen, das aus meiner Sicht für uns Trainer, Ausbilder, Lehrer und Dozenten zu den ganz großen Hauptwerken zählt. Ich selbst kann es gar nicht oft genug lesen – und finde es immer wieder aufs Neue spannend und gewinnbringend.

Das sind große Worte. „Was bietet es nun, das Buch?“: Eberhard Stahl beschreibt in dem nahezu vierhundertseitigen Werk das Leben von Gruppen. Mit eingängigen Modellen, verständlichen Bildern und vielen Beispielen aus der Praxis nimmt er die Dynamik in Lern- und Arbeitsgruppen unter die Lupe. Im Zentrum steht das vielerseits bekannte Entwicklungsmodell von Gruppen nach Tuckman. Es beschreibt die Phasen Forming, Storming, Norming, Performing und Reforming. „Alles schon mal gehört“ – denken Sie vielleicht. Das dachte ich auch, doch das Buch hat mich eines besseren belehrt. Eberhard Stahl benennt die verschiedenen Phasen nicht nur, er analysiert sie aus vielen verschiedenen Blickwinkeln. Er deckt auf, welche Aufgaben wir als Trainer in den verschiedenen Phasen haben und beschreibt unsere Rollen mit einprägsamen Bildern. So prüfe ich inzwischen immer wieder, in welcher Rolle ich in der Gruppe gerade gefragt bin: Als fürsorgender Pate, als Sprengmeister, als Notar oder schließlich als Arbeitsloser, der sich zurückzieht und die Gruppe machen lässt. Doch das Buch bleibt nicht nur bei der Analyse. Es gibt konkrete Hilfestellungen für die vielen dynamischen Situationen, die wir als Leiterinnen und Leiter von Gruppen erleben können.

Mir hat das Buch einen ganz neuen Blick auf Gruppen und meine Arbeit als Gruppenleitung eröffnet. Ehrlicherweise muss ich hinzufügen: Als ich „Dynamik in Gruppen“ vor zwei Jahren im Sommerurlaub zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich sehr verunsichert. „Oh je. Wenn das Leben und Arbeiten in Gruppen so komplex ist, kann ich gar nicht mehr als Trainer antreten“. Die Verunsicherung ist in der Praxis schnell wieder verflogen. Was blieb, ist eine Vielzahl von sehr hilfreichen Erkenntnissen, Modellen und Tipps für die Gruppenarbeit.

Eröffnet wird das Buch mit einem Geleitwort von Kommunikationsexperte Friedemann Schulz von Thun. Seinem Fazit kann ich nur zustimmen: „Wenn ich heute einen Wunsch offen hätte, dann den: Dass dieses Buch hierzulande bald zur Allgemeinbildung gehören möge!“

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