Archive for March, 2008

Munterrichtsmethoden auf dem Bielefelder Trainingscamp

Saturday, March 29th, 2008

Am 5. und 6. Juni 2008 veranstaltet das Docementeam in Bielefeld eine Fachveranstaltung für Trainer und Coachs. Zwei Tage lang können Sie sich in Vorträgen, Workshops und Austellungen über neue Tools und Methoden für die Praxis informieren. Gleich zum Startschuss gibts 90 Minuten lang ein Best-Off der Munterrichtsmethoden mit vielen methodischen Anregungen für die Seminarpraxis. Dem folgen weitere Themen. Ich freue mich besonders auf den Workshop “Visual Tools” von Markus Wortmann. Er zeigt, wie Trainer verblüffend einfach mit wenigen Mitteln Bilder, Zeichen und einfache Symbole ans Flipchart zaubern können. Ich bin gespannt! Das Schöne am Trainingscamp: Das Documenteam bietet die Veranstaltung zu einem wirklich günstigen Preis von 99,00 € an. Weitere Informationen und Möglichkeiten zur Anmeldung finden Sie hier.

Professor spielt in seiner Vorlesung „Wer wird Millionär“

Saturday, March 29th, 2008

Schluss mit eintönigen, langen Vorträgen und passiv-müden Studenten macht der Frankfurter Professor für Pharmazeutische Biologie Theo Dingermann. Er investierte in ein Abstimmungssystem, mit dem die Studenten live in der Vorlesung immer wieder zu Fachfragen Stellung beziehen. So eingebunden steigt die Wahrscheinlichkeit, dass viele wach und munter bei der Sache bleiben. Dem Munterrichtsmethodiker geht das Herz auf!

Gefunden auf Campus-Blog der Nürnberger Zeitung. Den Originalbeitrag finden Sie hier.

Methode des Monats März

Tuesday, March 25th, 2008

Inventur

Bei der vorigen Methode des Monats, der „Tempo-Thesen-Runde“, ging es flott zur Sache. Etwas ruhiger und konzentrierter läuft das Lernen mit der „Inventur“ ab. Ziel der Methode: Die Teilnehmer erinnern und wiederholen, was sie im Seminar bereits gelernt haben. In ihrem Wissens- und Erfahrungsnetz machen sie „Inventur“ zum Thema. So funktioniert’s:

„Willkommen zum fünften Seminarbaustein. Heute ist „Halbzeit“ unseres Kurses. Bevor wir mit dem nächsten Thema loslegen, bitte ich Sie zu einer Seminarinventur. Auf Ihrem Tisch liegen schon große Blätter bereit. Bitte schreiben Sie in den kommenden 15 Minuten alles auf, was Ihnen zu unserem Thema einfällt. Lassen Sie Ihren Gedanken einfach freien Lauf. Sie brauchen Ihre Ideen nicht zu sortieren. Sammeln Sie so, wie es für Sie am besten passt: Als Mind Map, als Stichwortliste, in einer Tabelle oder mit vielen Bildern. Wichtig ist, dass Sie so viele Gedanken wie möglich sammeln, auf jeden Fall jedoch 33 Informationen.“

Das verblüfft bis irritiert viele Lernende: „Was? Wir sollen mindestens 33 Infos sammeln? Was soll ich denn da aufschreiben?“

Wichtig ist, die Lernenden hier zu ermutigen: „Sie haben Recht, die Sache ist herausfordernd. Probieren Sie es einfach mal aus. Ich bin sicher: Nach kurzer Bedenkzeit wird Ihnen eine Menge einfallen. Auf 15, 20 Infos kommen Sie ganz locker. Vielleicht wird es dann zäher, und Sie zweifeln, ob Sie noch mehr finden können. Das ist ganz normal. Bei Aufgaben wie dieser landen wir nach dem ersten Gedankenschub oft im Tal der Kreativitätskurve. Danach aber folgt ein weiterer Anstieg. Also: Nicht aufgeben, wenn vielleicht nichts mehr zu kommen scheint. Machen Sie einfach weiter!“

Wie viele Erinnerungen die Lernenden zusammentragen sollen, hängt davon ab, wie viel Inhalte bisher erarbeitet wurde. Nach ein oder zwei Seminareinheiten können auch 15 oder 20 Informationen als Ziel ausreichen. Wichtig ist, dass mit dem Auftrag eine Herausforderung und eine gewisse Anstrengung verbunden ist. Die Lernenden sollen nicht nur locker die ersten Erinnerungen abrufen, sie sollen tief in ihrem Wissensnetz stöbern und auch Details hervorholen, die ihnen nicht auf Anhieb in den Sinn kommen.

Das Erstaunliche: Die Methode an sich ist ganz einfach, die Ergebnisse sind oft erstaunlich. „Tja, ich hätte nicht gedacht, dass da so viel zusammenkommt. Ich finde meine Sammlung doch ganz beachtlich. Es sind sogar über 50 geworden!“ Viele Teilnehmer wirken nach der Übung richtig zufrieden mit sich selbst: „Wow, das ist ein gutes Gefühl. Manchmal habe ich gezweifelt, ob ich hier überhaupt schon was gelernt habe. Die Sache hat gezeigt, dass doch schon ganz schön was hängen geblieben ist.“

Nachdem die Lernenden gesammelt haben, können Sie die Teilnehmer bitten, sich in Paaren ihre Sammlung gegenseitig vorzustellen. Oder Sie fordern die Leute auf, jeweils eine Erinnerung in der großen Runde zu präsentieren. Besonders spannend wird es, wenn Sie darum bitten, jeweils eine neue Information zu nennen, die von den Vorrednern noch nicht vorgetragen wurde. So entsteht nach mehreren Runden ein umfassender Rückblick, bei dem alle wesentlichen Seminarinhalte angesprochen wurden. Häufig ist das sehr lustig, weil eine Art „Feuerwerksstimmung“ aufkommt: Mit „Ah“ und „Oh“, „Ja genau“ werden viele Beiträge kommentiert.

Wie Feedbackrunden kurz und knackig werden

Tuesday, March 18th, 2008

oder: Stehend geht’s flotter

Im Seminar, in der Veranstaltung steht noch eine Statement- oder Feedbackrunde an. Danach können Sie das nächste Thema anpacken, die Pause einläuten oder den Kurstag beenden. Um zu hören, was die Leute gelernt haben, was ihnen durch den Kopf geht, was ihnen wichtig ist oder wie sie den Tag erlebt haben, wünschen Sie sich möglichst von jedem Teilnehmer einen Beitrag. Am liebsten einen Kurzen!

Es gibt verschiedene Tipps und Tricks, wie Sie durch Ihre Moderation dafür sorgen können, dass die Wortbeiträge der Teilnehmer möglichst kurz ausfallen. Ein ganz einfacher: Stehend geht’s (in der Regel) flotter!

Bitten Sie die Lernenden, aufzustehen. Zum Beispiel so: „Wir kommen zum Ende dieses Seminarbausteins: Zum Abschluss bitte ich Sie, sich zu erheben.“ Stühle werden gerückt – ein wenig Bewegung kommt in den Raum. Vielleicht müssen Sie einzelne Teilnehmer aufmunternd anlächeln, bis allen klar ist, dass Sie es ernst meinen. Wenn alle stehen, gibt’s den nächsten Teilauftrag; zum Beispiel diesen: „Nachdem wir uns nun 1,5 Tage lang mit der Frage X befasst haben, bitte ich Sie um ein kurzes Abschlussstatement: Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis aus diesen Tagen? Wer loslegen will, hat das Wort.“

Meine Erfahrung: Wenn bei solchen Statementrunden alle stehen, fallen die Beiträge in der Regel prägnanter und kürzer aus: Stehend geht’s flotter!

“Das einzige, was stört, sind die Teilnehmer” – ein Lesetipp

Monday, March 10th, 2008

Dieser provokante Buchtitel sprach mich auf den ersten Blick an. Und auch der Untertitel „Schwierige Seminarsituationen meistern“ des neuen Buches von Rolf Meier weckte mein Interesse: Denn schwierige Situationen gibt’s im Seminar immer wieder. Und weil die nicht selten mit den Teilnehmern zu tun haben, griff ich zum Buch.

In dreizehn übersichtlich gegliederten Kapiteln werden darin verschiedene Felder vorgestellt, aus denen Schwierigkeiten herrühren können. Schnell wird dabei klar, dass es nicht nur die Teilnehmer sind, die das Seminarleben schwer machen: Auch die Rahmenbedingungen und wir als Trainer mit unserer ganzen Persönlichkeit und unserem Unterrichtsstil haben Einfluss.

Was ist für Sie eine Störung?“, fragt das Buch immer wieder. Reicht es, wenn ein Teilnehmer die Zeitung liest, isst, sich unterhält oder muss es richtig krachen zwischen den Teilnehmern oder mit Ihnen? Mit vielen Fragebögen unterstützt das Buch, die eigenen Störgrenzen zu identifizieren und macht deutlich, dass das Störungsempfinden durchaus subjektiv ist. Neben der Analyse von Störungen und Schwierigkeiten ist das Buch eine Fundstelle für wertvolle Ideen und Anregungen. Man merkt, dass der Autor ein „alter Hase“ im Trainergeschäft ist, der den Alltag mit all seinen Herausforderungen nur zu gut kennt …

Der für mich wertvollste Gedanke des Buches ist, Probleme im Seminar als normal anzusehen. Rolf Meier schreibt dazu: „Eine Schulung ist eigentlich eine sehr ungewöhnliche und letztlich unnatürliche Situation ist. Menschen werden aus ihren normalen Lebensbezügen mit ihren liebgewonnenen Ritualen und Abläufen heraus geholt und dazu gebracht, stundenlang in einem Raum zu sitzen und jemandem zuzuhören, sich seinem Rhythmus anzupassen und sich lange zu konzentrieren. Dabei wäre es ganz unnormal, wenn dies alles problemlos vonstatten gehen würde.“

Mein Ziel ist es natürlich auch weiterhin, möglichst „störungsfreie“ Seminare zu leiten. Aber wenn es doch Schwierigkeiten gibt, dann nehme ich sie Dank Rolf Meiers Buch ein wenig gelassener …

Das Buch erschien 2007 im GABAL-Verlag. ISBN: 978-3-89749-677-4