Methode des Monats März

Inventur

Bei der vorigen Methode des Monats, der „Tempo-Thesen-Runde“, ging es flott zur Sache. Etwas ruhiger und konzentrierter läuft das Lernen mit der „Inventur“ ab. Ziel der Methode: Die Teilnehmer erinnern und wiederholen, was sie im Seminar bereits gelernt haben. In ihrem Wissens- und Erfahrungsnetz machen sie „Inventur“ zum Thema. So funktioniert’s:

„Willkommen zum fünften Seminarbaustein. Heute ist „Halbzeit“ unseres Kurses. Bevor wir mit dem nächsten Thema loslegen, bitte ich Sie zu einer Seminarinventur. Auf Ihrem Tisch liegen schon große Blätter bereit. Bitte schreiben Sie in den kommenden 15 Minuten alles auf, was Ihnen zu unserem Thema einfällt. Lassen Sie Ihren Gedanken einfach freien Lauf. Sie brauchen Ihre Ideen nicht zu sortieren. Sammeln Sie so, wie es für Sie am besten passt: Als Mind Map, als Stichwortliste, in einer Tabelle oder mit vielen Bildern. Wichtig ist, dass Sie so viele Gedanken wie möglich sammeln, auf jeden Fall jedoch 33 Informationen.“

Das verblüfft bis irritiert viele Lernende: „Was? Wir sollen mindestens 33 Infos sammeln? Was soll ich denn da aufschreiben?“

Wichtig ist, die Lernenden hier zu ermutigen: „Sie haben Recht, die Sache ist herausfordernd. Probieren Sie es einfach mal aus. Ich bin sicher: Nach kurzer Bedenkzeit wird Ihnen eine Menge einfallen. Auf 15, 20 Infos kommen Sie ganz locker. Vielleicht wird es dann zäher, und Sie zweifeln, ob Sie noch mehr finden können. Das ist ganz normal. Bei Aufgaben wie dieser landen wir nach dem ersten Gedankenschub oft im Tal der Kreativitätskurve. Danach aber folgt ein weiterer Anstieg. Also: Nicht aufgeben, wenn vielleicht nichts mehr zu kommen scheint. Machen Sie einfach weiter!“

Wie viele Erinnerungen die Lernenden zusammentragen sollen, hängt davon ab, wie viel Inhalte bisher erarbeitet wurde. Nach ein oder zwei Seminareinheiten können auch 15 oder 20 Informationen als Ziel ausreichen. Wichtig ist, dass mit dem Auftrag eine Herausforderung und eine gewisse Anstrengung verbunden ist. Die Lernenden sollen nicht nur locker die ersten Erinnerungen abrufen, sie sollen tief in ihrem Wissensnetz stöbern und auch Details hervorholen, die ihnen nicht auf Anhieb in den Sinn kommen.

Das Erstaunliche: Die Methode an sich ist ganz einfach, die Ergebnisse sind oft erstaunlich. „Tja, ich hätte nicht gedacht, dass da so viel zusammenkommt. Ich finde meine Sammlung doch ganz beachtlich. Es sind sogar über 50 geworden!“ Viele Teilnehmer wirken nach der Übung richtig zufrieden mit sich selbst: „Wow, das ist ein gutes Gefühl. Manchmal habe ich gezweifelt, ob ich hier überhaupt schon was gelernt habe. Die Sache hat gezeigt, dass doch schon ganz schön was hängen geblieben ist.“

Nachdem die Lernenden gesammelt haben, können Sie die Teilnehmer bitten, sich in Paaren ihre Sammlung gegenseitig vorzustellen. Oder Sie fordern die Leute auf, jeweils eine Erinnerung in der großen Runde zu präsentieren. Besonders spannend wird es, wenn Sie darum bitten, jeweils eine neue Information zu nennen, die von den Vorrednern noch nicht vorgetragen wurde. So entsteht nach mehreren Runden ein umfassender Rückblick, bei dem alle wesentlichen Seminarinhalte angesprochen wurden. Häufig ist das sehr lustig, weil eine Art „Feuerwerksstimmung“ aufkommt: Mit „Ah“ und „Oh“, „Ja genau“ werden viele Beiträge kommentiert.

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