Archive for July, 2008

Methode des Monats Juli

Monday, July 28th, 2008

Wiederholungsritual

Die Sonne scheint, der Himmel lacht, viele machen Ferien. Für Dozenten und Trainer eine gute Zeit, neue Energie zu schöpfen und neue Ideen für die Herbstsaison zu entwickeln. Da könnte unsere Methode des Monats Juli eine gute Anregung sein.

Mit dem “Wiederholungsritual” können Sie Ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst zu munteren Methodikern machen. Denn die ersten fünf Minuten jeder Seminareinheit sind für eine Wiederholung reserviert. Jeweils ein oder zwei Teilnehmer bereiten eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse der vorangegangenen Einheit vor. Erzählend, fragend, spielend rufen sie die Ergebnisse wieder in Erinnerung. Die Form bleibt den Wiederholern überlassen. Meine Erfahrung dabei: Je methodenmunterer ich unterrichte, desto vielfältiger und kreativer werden auch die Wiederholungsbeiträge der Teilnehmer. Und das ist lerntechnisch prima: Denn so werden bei der kurzen Erinnerungszeit verschiedene Lernkanäle angesprochen, unterschiedliche Abrufhilfen noch
einmal verstärkt.

Wenn ich das Wiederholungsritual zu Beginn meiner Kurse, zum Beispiel an der Hochschule, vorstelle, erlebe ich manchmal zweifelnde Teilnehmer: “Wozu jede Woche der Aufwand?” – so lautet häufig der Einwand. Diese Bedenken lösen sich im Laufe des Kurses jedoch meist auf. Viele Lernende erfahren bei diesem Ritual, wie wertvoll regelmäßige Rückschauen für den Lernprozess sind. Der Lernprozess will eben bewegt und erinnert werden!

Aber auch für uns Trainer sind die Wiederholungsminuten sehr aufschlussreich. Da jeweils ein anderer Teilnehmer die Regie über die
Rückschau übernimmt, erfahren wir auf vielfältige Art, welche Inhalte, Erfahrungen und Erkenntnisse aus Sicht der Lernenden besonders wesentlich und wiederholenswert waren.

Im Laufe der Jahre habe ich ein paar Erfolgshebel für das Wiederholungsritual entdeckt: Richtig gut wird es, wenn ich – möglichst
schriftlich – klare Rahmen für die Wiederholungen vorgebe. Hier bin ich als zielstrebiger Organisator gefragt: “Wer übernimmt wann mit wem die Wiederholung?”. Ein Feedback von mir an die Wiederholer ist ein weiterer Ansporn. Denn beim Wiederholungsritual hat jeder Teilnehmer die Chance, im Laufe des Kurses für fünf Minuten die Leitung zu übernehmen.

Ganz zu Beginn stelle ich das Wiederholungsritual mit einem jüdischen Sprichwort vor: “Wer studiert, nicht repetiert, der hat gesät und nicht gemäht”

Rappende Munterrichtsmethodiker

Friday, July 25th, 2008

“Wie funktioniert die Fotosynthese” oder “Die Geschichte Berlins”. Das sind Themen, die man auf viele Arten vermitteln und lernen kann. Von einer ganz besonders munteren berichtet die TAZ: Rapucation-Songs – das sind Raps über die Fotosynthese oder Geschichte Berlins, gesungen von zwei Berliner Rapper-Originalen. Robin Haefs und Vincent Stein machen Rap zum Lernen. Das kommt gut an bei den Schülerinnen und Schülern. Aus gutem Grund: Denn mit den eingängigen Versen und Rhythmen gehen uns die
Informtionen leicht ins Ohr. Es macht Spaß, mitzuwippen, mitzusingen. Und so stecken die Raps der beiden voller Lernhilfen und Lernbrücken. Ich spreche aus Erfahrung. Denn vor vielen Jahren prägte ich mir mit meinem “Kanzler-Rap” die Kabinetts-Chefs der Bundesrepublik Deutschland ein. Und die kann ich noch heute ganz locker abrufen (und inzwischen um Angela Merkel ergänzen…)

Der Kanzler RAP
ADENAUER – lange Dauer, dann mit ERHARD Wirtschaftspower. KIESINGER, ganz elegant – wird abgelöst von WILLY BRANDT. Die SPD mischt weiter mit – der neue Mann heißt HELMUT SCHMIDT: Dann kommt, jeder kennt ihn wohl – für sechzehn Jahre HELMUT KOHL. Zwei Jahre vor Millenium zieht SCHRÖDER in die Hauptstadt um. Ihn bringt die ANGIE aus dem Osten um den geliebten Kanzlerposten.

An die Performance der richtigen Rapper kommt das natürlich bei weitem nicht heran. Aber es zeigt: Der Mix aus Rhythmus und Reim – prägt sich ein! Mehr über die Berliner Lernrapper finden Sie u.a. hier. Und über den Kanzlerrap und viele weitere hilfreiche Lernstrategien, mit denen Sie leichter zum Lernziel gelangen, lesen Sie in unserem munteren Lernhandbuch “Von Kopf bis Fuß auf Lernen eingestellt”.

Munterrichtsmethoden am Einheitstag

Wednesday, July 23rd, 2008

Suchen Sie ein schönes Programm für den Tag der Deutschen Einheit? Wie wäre es mit einem Munterrichtsmethodentag am 3. Oktober. Im Bildungshaus Luzen in Hechingen können Sie von 9.30 bis 17.00 Uhr 20 der Methodenhits kennen lernen und erproben. Passend zum Tag werden alle Methoden rund um das Thema “Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland” getestet. Die Seminare im Bildungshaus in Hechingen sind immer etwas ganz Besonderes: Ein schönes Haus, nette Menschen und sehr gutes Essen!  Informationen zur Anmeldung gibt es hier.

Und einen Tag später gibt’s gleich noch eine Lernchance an dem schönen Ort. Am 4. Oktober gibt’s von 9.30 Uhr bis 17.00 Uhr Antworten auf die bedeutende Frage, wie wir uns und andere motivieren können. Hier haben Sie die Chance, mit den Erkenntnissen russischer Sportwissenschaftler Ihren Motivatoren auf die Spur zu kommen. Und so leichter zu den von Ihnen gesetzten Zielen zu gelangen. Das Konzept funktioniert – mir zum Beispiel hilft es, um wie ein Marathonläufer regelmäßig hier im Blog von Neuigkeiten rund um die munteren Methoden zu berichten.

Trainer|Kongress|Berlin

Monday, July 21st, 2008

Am 22.03.2009 können Sie die Munterrichtsmethoden bei einem Berliner Heimspiel kennen lernen, auf das ich mich bereits jetzt freue. Der erstmals stattfindende Trainer|Kongress|Berlin wird vom Schilling Verlag Berlin veranstaltet. Das Programm der eintägigen Veranstaltung enthält jetzt schon eine Reihe interessanter Workshops, die einen ausgesprochen kurzweiligen und lehrreichen Tag erwarten lassen. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die den eigenen Terminkalender gern ein gutes Stück im Voraus planen, um ausreichend Platz für den zuweilen überraschenden Alltag eines Trainers offen zu halten, lege ich Ihnen die rechtzeitige Buchung ans Herz.

Wenn Sie bereits wissen, dass Sie die Munterrichtmethoden live kennenlernen wollen oder vorab Fragen zu diesen haben, lade ich Sie herzlich ein, die Felder am Ende dieses Beitrages zu nutzen, um mir einen Kommentar zu hinterlassen. Gern informiere ich Sie nämlich auch auf diesem Weg über die Dinge, die Sie zu den Munterrichtsmethoden schon immer wissen wollten.

Juni 2008 – Methode des Monats

Friday, July 18th, 2008

Schnattern

„Für mich waren die Gespräche mit den Kommilitonen das Wichtigste an diesem Kurs. Da haben wir das, was allgemein besprochen wurde, noch mal für uns überprüft und geschaut, wie wir das umsetzen können.“

Das war das Statement eines Siemens-Studenten an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin (FHW) am Ende eines Kurstages zum Thema „Lern- und Arbeitsmotivation“ in der letzten Woche. Ein Grund für mich, heute über die Munterrichtsmethode „Schnattern“ zu schreiben. Sie ist ganz einfach, aber – wie die Rückmeldung des Studenten zeigt – wirksam und wichtig für den Lernprozess.

So funktioniert die Methode: Neben fachlichem Input, Diskussionen in der Gesamtgruppe oder Gruppenarbeiten, geben Sie den Lernenden immer wieder den Auftrag, mit einem Nachbarn, einer Nachbarin für ein paar Minuten zu einem speziellen Thema ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Erfolgswichtig dafür ist eine präzise Ausgangsfrage, die die Lernenden in wenigen Minuten zum Sammeln, Nachdenken, Prüfen, Überlegen, Fantasieren anregt. Schnattern eignet sich hervorragend, um Stoffsammlungen, Erörterungen und Diskussionen durch die Teilnehmer vorbereiten zu lassen. Ich setze die Technik vor allem dann ein, wenn es um die persönlichen Haltungen, die Standpunkte und Positionen der Lernenden geht. In der großen Runde käme nur ein Teil der Lernenden zu Wort. Schnatternd sind alle Teilnehmer zeitgleich aufgefordert, für sich zu überlegen, was sie denken, wie sie zu der Frage stehen und ihr eigenes Urteil zu bilden.

Natürlich haben wir letztlich keinen Einfluss darauf, worüber sich die Teilnehmer mit ihren Partnern tatsächlich unterhalten. Vielleicht nutzen einige die Gelegenheit, um sich über Kinoprogramme oder das anstehende Mittagessen auszumären … oder hemmungslos mit ihrem Schnatterpartner zu flirten … Aus zwei Gründen sehe ich das ganz gelassen: Zum einen ist die Schnatter-Zeit für die Leute vielleicht genau die Pause, auf die sie schon lange im Seminar gewartet haben, in der sie sich mit ihrem Nachbarn die eine oder andere offene Frage klären können. Und nach den 3 privaten Minuten sind sie wieder voll dabei. Zum anderen: Wissen wir, was die Leute tatsächlich denken, während sie (nicht schnatternd) im Seminarraum sitzen?

Schnattern ist eine prima Vorbereitung auf Diskussionen in der Gruppe. In den Kurzgesprächen hatten die Lernenden Gelegenheit, ihre Gedanken zu sortieren. Jetzt fällt es den meisten leicht, ihre Argumente präzise zu formulieren. So kann die Diskussion nun auf hoher Ebene geführt werden.

Schön am Schnattern ist: Die Methode lässt sich unkompliziert und spontan einbinden. Mit einer präzisen Ausgangsfrage können Sie den Ball an die Lernenden abgeben. Wenn Sie im Laufe einer Seminareinheit mehrere Schnatter-Sequenzen einbauen, dann können Sie das Ganze beleben, indem Sie die Teilnehmer mit unterschiedlichen Partnern ins Gespräch kommen lassen. Sogar im Hörsaal sind schon – ohne langes Suchen und Finden – bis zu vier Formen möglich: Nachbar rechts, Nachbar links, Vorder- und Hintermann.
Als Teilnehmer habe ich kürzlich erlebt, was passiert, wenn „Schnatterzeiten“ in Fortbildungen fehlen. Immer mehr Informationen, Modelle und Wissen wurden angehäuft. Das alles war spannend und anregend. Doch mir fehlten Momente, in denen ich die Informationen hätte verarbeiten, besprechen, bewegen und auf meine Situation übertragen können. Ein paar Schnattersequenzen mit dem Nachbarn hätten da ganz leicht für eine bessere Verarbeitung gesorgt.

Bei allen Orbium-Angeboten gilt: Munter zum Ziel gelangen

Monday, July 14th, 2008

Liebe Leserinnen und Leser,

beim Stöbern im Munterrichtsmethodenblog schleicht sich vielleicht der Eindruck ein, dass ich “nur” in Sachen munterer Methoden aktiv bin. Das stimmt nicht ganz.

Gemeinsam mit fünf Trainerkollegen sorge ich bei Orbium Seminare dafür, dass wir als Ihr Partner für berufliche Weiterbildung ein rundes Angebot an Seminaren pflegen und laufend weiter entwickeln.

Druckfrisch gibt es seit einigen Tagen einen neuen Überblick über unsere Angebote. Die haben zweierlei mit den Munterrichtsmethoden gemeinsam: Zum einen arbeiten wir in allen Seminaren mit den munteren Lehrwegen – ganz egal, ob es um Arbeitsmotivation oder Präsentieren auf Englisch geht … Zum anderen gilt auch in unseren anderen Kursen die Devise: Munter zum Ziel gelangen!

Zu drei Bereichen bieten wir Unternehmen, Organisationen und Hochschulen unser Know-How an:

  • Zusammenarbeiten
  • Präsentieren
  • Lernen und Trainieren

Neugierig, was genau hinter den Bereichen steckt? Klicken Sie sich einfach hier zur Orbium-Seite. Dort können Sie auf den Themenseiten einen guten Eindruck gewinnen. Oder noch besser: Hier können Sie ganz bequem einen druckfrischen Seminarkatalog anfordern. Den munteren Katalog hat die Firma ICHPUNKT Kommunikation gestaltet. Mit Erfolg, wie ich finde: Denn darin finden Sie die Bausteine, die für Sie nützlich sind, nicht nur schnell, sondern auch mit Freude!

Harald Groß

Munterrichtsmethodenwahl energieabhängig gestalten

Wednesday, July 9th, 2008

Wach, müde oder energiegeladen – Wie können wir herausfinden, wie die Lernenden drauf sind?

Als Trainer, Dozentin oder Lehrer haben wir immer wieder die Aufgabe, das passende Tempo, den richtigen Ton und eben auch die in der Situation geeigneten Methoden zu finden. Das gelingt besonders dann gut, wenn wir ein Gespür für die Lage der Lernenden haben. „Wie sind die Leute drauf?“, „Wie wach, müde, schlapp, aufgekratzt, energiegeladen sind die Teilnehmer?“.

Neben Kriterien wie beispielsweise den Lernzielen, dem Thema und den Rahmenbedingungen ist die Energie der Lernenden ganz wesentlich bei der Frage, welche Methoden wir auswählen – und mit welchen Varianten und welchem Herausforderungsgrad wir sie anleiten. Denn die Munterrichtsmethoden wirken ganz unterschiedlich. Während Methoden wie Schnattern, Drehen und Wenden oder das Frischhaltequiz für mächtig Wirbel und Schwung im Seminarraum sorgen können, wirken andere Lehrwege wie das Feierabendkino eher beruhigend. Da ist es gut, entsprechend der momentanen Energie eine bewusste Wahl zu treffen.

„Wie kann ich nun herausfinden, wie die Leute „drauf“ sind?“. Sie können die Lernenden beobachten, auch Ihr Fingerspitzengefühl kann ein guter Ratgeber sein. Gute Erfahrungen mache ich, wenn ich die Lernenden ganz offen nach der „Lage der Nation“ befrage. Zum Beispiel so:

Auf dem Tisch oder am Boden legen Sie eine Sammlung von Karten mit Adjektiven aus. Darauf stehen viele mögliche Zustandsbeschreibungen. Zum Beispiel diese: motiviert, unausgeschlafen, entspannt, neugierig, verspannt, konzentriert, müde, nachdenklich, vergnügt, abgelenkt, albern, aufgetankt, überrascht, durstig, verliebt, ermattet, beschäftigt, überrumpelt, tolpatschig, erstaunt, aufgeregt, begeistert, lustig, krank, überfordert, usw. (weitere Adjektive finden Sie im Munterrichtsmethodenbuch auf Seite 155).
Nun fordern Sie die Lernenden auf, sich jeweils 1, 2 oder 3 Karten auszusuchen, die ihren aktuellen Zustand am besten beschreiben. Wer für sich keine passenden Adjektive findet, schreibt eigene Karten. Das Gleiche gilt für diejenigen, die nicht die gewünschten Karten bekommen, weil andere Teilnehmer schneller zugegriffen haben.

Wenn alle ihre Karten gefunden haben, bitten Sie die Teilnehmer, ihre Auswahl vorzustellen und kurz zu berichten, wie es gerade um sie steht.

Ich finde diesen Weg sehr hilfreich: Ich bekomme flott Informationen aus erster Hand, ganz frei von meinen Vermutungen. Darauf kann ich reagieren: „Noch sind viele von Ihnen eher müde, wir beginnen also ganz geruhsam“. Das ist wertschätzend den Teilnehmenden gegenüber. Und auch für die Lernenden selbst ist die Aufgabe eine gute Übung. Sie fordert jeden Einzelnen heraus, die eigene momentane Befindlichkeit in den Blick zu nehmen und die eigene Arbeitsfähigkeit zu prüfen. Und: Nach einer Runde haben alle eine Menge übereinander erfahren. Würde Sie mich jetzt gerade nach meinem Zustand fragen, würde ich antworten: „Ich habe mir die Adjektive „aufgetankt“, „traurig“ und „motiviert“ ausgewählt: Aufgetankt bin ich nach meinem dreiwöchigen Urlaub in Italien. Daher schwingt auch ein wenig Traurigkeit mit – der Urlaub war so schön, nun ist er vorbei. Aber dennoch bin ich höchst motiviert, jetzt nach der Sommerpause wieder kraftvoll loszulegen.“