Munterrichtsmethodenwahl energieabhängig gestalten

Wach, müde oder energiegeladen – Wie können wir herausfinden, wie die Lernenden drauf sind?

Als Trainer, Dozentin oder Lehrer haben wir immer wieder die Aufgabe, das passende Tempo, den richtigen Ton und eben auch die in der Situation geeigneten Methoden zu finden. Das gelingt besonders dann gut, wenn wir ein Gespür für die Lage der Lernenden haben. „Wie sind die Leute drauf?“, „Wie wach, müde, schlapp, aufgekratzt, energiegeladen sind die Teilnehmer?“.

Neben Kriterien wie beispielsweise den Lernzielen, dem Thema und den Rahmenbedingungen ist die Energie der Lernenden ganz wesentlich bei der Frage, welche Methoden wir auswählen – und mit welchen Varianten und welchem Herausforderungsgrad wir sie anleiten. Denn die Munterrichtsmethoden wirken ganz unterschiedlich. Während Methoden wie Schnattern, Drehen und Wenden oder das Frischhaltequiz für mächtig Wirbel und Schwung im Seminarraum sorgen können, wirken andere Lehrwege wie das Feierabendkino eher beruhigend. Da ist es gut, entsprechend der momentanen Energie eine bewusste Wahl zu treffen.

„Wie kann ich nun herausfinden, wie die Leute „drauf“ sind?“. Sie können die Lernenden beobachten, auch Ihr Fingerspitzengefühl kann ein guter Ratgeber sein. Gute Erfahrungen mache ich, wenn ich die Lernenden ganz offen nach der „Lage der Nation“ befrage. Zum Beispiel so:

Auf dem Tisch oder am Boden legen Sie eine Sammlung von Karten mit Adjektiven aus. Darauf stehen viele mögliche Zustandsbeschreibungen. Zum Beispiel diese: motiviert, unausgeschlafen, entspannt, neugierig, verspannt, konzentriert, müde, nachdenklich, vergnügt, abgelenkt, albern, aufgetankt, überrascht, durstig, verliebt, ermattet, beschäftigt, überrumpelt, tolpatschig, erstaunt, aufgeregt, begeistert, lustig, krank, überfordert, usw. (weitere Adjektive finden Sie im Munterrichtsmethodenbuch auf Seite 155).
Nun fordern Sie die Lernenden auf, sich jeweils 1, 2 oder 3 Karten auszusuchen, die ihren aktuellen Zustand am besten beschreiben. Wer für sich keine passenden Adjektive findet, schreibt eigene Karten. Das Gleiche gilt für diejenigen, die nicht die gewünschten Karten bekommen, weil andere Teilnehmer schneller zugegriffen haben.

Wenn alle ihre Karten gefunden haben, bitten Sie die Teilnehmer, ihre Auswahl vorzustellen und kurz zu berichten, wie es gerade um sie steht.

Ich finde diesen Weg sehr hilfreich: Ich bekomme flott Informationen aus erster Hand, ganz frei von meinen Vermutungen. Darauf kann ich reagieren: „Noch sind viele von Ihnen eher müde, wir beginnen also ganz geruhsam“. Das ist wertschätzend den Teilnehmenden gegenüber. Und auch für die Lernenden selbst ist die Aufgabe eine gute Übung. Sie fordert jeden Einzelnen heraus, die eigene momentane Befindlichkeit in den Blick zu nehmen und die eigene Arbeitsfähigkeit zu prüfen. Und: Nach einer Runde haben alle eine Menge übereinander erfahren. Würde Sie mich jetzt gerade nach meinem Zustand fragen, würde ich antworten: „Ich habe mir die Adjektive „aufgetankt“, „traurig“ und „motiviert“ ausgewählt: Aufgetankt bin ich nach meinem dreiwöchigen Urlaub in Italien. Daher schwingt auch ein wenig Traurigkeit mit – der Urlaub war so schön, nun ist er vorbei. Aber dennoch bin ich höchst motiviert, jetzt nach der Sommerpause wieder kraftvoll loszulegen.“

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