Methode des Monats Juli

Wiederholungsritual

Die Sonne scheint, der Himmel lacht, viele machen Ferien. Für Dozenten und Trainer eine gute Zeit, neue Energie zu schöpfen und neue Ideen für die Herbstsaison zu entwickeln. Da könnte unsere Methode des Monats Juli eine gute Anregung sein.

Mit dem “Wiederholungsritual” können Sie Ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst zu munteren Methodikern machen. Denn die ersten fünf Minuten jeder Seminareinheit sind für eine Wiederholung reserviert. Jeweils ein oder zwei Teilnehmer bereiten eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse der vorangegangenen Einheit vor. Erzählend, fragend, spielend rufen sie die Ergebnisse wieder in Erinnerung. Die Form bleibt den Wiederholern überlassen. Meine Erfahrung dabei: Je methodenmunterer ich unterrichte, desto vielfältiger und kreativer werden auch die Wiederholungsbeiträge der Teilnehmer. Und das ist lerntechnisch prima: Denn so werden bei der kurzen Erinnerungszeit verschiedene Lernkanäle angesprochen, unterschiedliche Abrufhilfen noch
einmal verstärkt.

Wenn ich das Wiederholungsritual zu Beginn meiner Kurse, zum Beispiel an der Hochschule, vorstelle, erlebe ich manchmal zweifelnde Teilnehmer: “Wozu jede Woche der Aufwand?” – so lautet häufig der Einwand. Diese Bedenken lösen sich im Laufe des Kurses jedoch meist auf. Viele Lernende erfahren bei diesem Ritual, wie wertvoll regelmäßige Rückschauen für den Lernprozess sind. Der Lernprozess will eben bewegt und erinnert werden!

Aber auch für uns Trainer sind die Wiederholungsminuten sehr aufschlussreich. Da jeweils ein anderer Teilnehmer die Regie über die
Rückschau übernimmt, erfahren wir auf vielfältige Art, welche Inhalte, Erfahrungen und Erkenntnisse aus Sicht der Lernenden besonders wesentlich und wiederholenswert waren.

Im Laufe der Jahre habe ich ein paar Erfolgshebel für das Wiederholungsritual entdeckt: Richtig gut wird es, wenn ich – möglichst
schriftlich – klare Rahmen für die Wiederholungen vorgebe. Hier bin ich als zielstrebiger Organisator gefragt: “Wer übernimmt wann mit wem die Wiederholung?”. Ein Feedback von mir an die Wiederholer ist ein weiterer Ansporn. Denn beim Wiederholungsritual hat jeder Teilnehmer die Chance, im Laufe des Kurses für fünf Minuten die Leitung zu übernehmen.

Ganz zu Beginn stelle ich das Wiederholungsritual mit einem jüdischen Sprichwort vor: “Wer studiert, nicht repetiert, der hat gesät und nicht gemäht”

2 Responses to “Methode des Monats Juli”

  1. Siegbert Groß says:

    Hallo Harald,

    Dein Beitrag zum Wiederholungsritual deckt prägnant die Lern- und
    Lehrseite von Aus- und Fortbildung ab. Schön auch, dass der Text zum
    Ausprobieren ermutigt und konsequent Eigenverantwortung der
    Lernenden zulässt.
    Im September habe ich einen Lehrgang mit 12 Lernsequenzen vor mir.
    Eine gute Gelegenheit für die Anwendung.
    Dabei sehe ich schon wie sich die “5-Minuten” ausdehnen…
    Soll ich den “Wiederholungstrainern” nicht doch von bestimmten
    zeitfressenden Methoden abraten?

    Liebe Grüße

  2. Harald Groß says:

    Hallo nach Schwaben,
    na dann viel Spaß beim Frischhalten im September. Die Zeitfrage stellt sich mir auch immer wieder. Meine Idee: Wenn ich das Wiederholungsritual vorstelle, gebe ich den Teilnehmern einen Informationsbogen. Darauf steht, was, wie, wie lange und wer wiederholt. Wenn für den Erfolg eine kurze Wiederholung (und die Einhaltung der geplanten Zeit) besonders wichtig ist, mache ich genau das zur Teilherausforderung des Ganzen: “Bitte finden Sie einen Weg, mit dem Sie in weniger als fünf Minuten die wesentlichen Inhalte in unseren Köpfen wieder erweckt haben.” Zackiges Tempo wird (ähnlich wie bei der Tempo-Thesenrunde) zur Zutat der Methode. Das macht Spaß, fordert die Lernenden, auf den Punkt zu kommen – und nach fünf strammen Minuten kanns im Seminar weitergehen. Viel Spaß beim Experimentieren! Aus Berlin viele Grüße, Harald Groß