Archive for August, 2008

Methode des Monats August

Sunday, August 31st, 2008

Brillenträgervotum oder was tun, wenn keiner antwortet?

Haben Sie das auch schon erlebt? Sie referieren in einem Seminar oder einer Vorlesung. Immer wieder versuchen Sie, den Lernenden den Ball zuzuspielen. In einem Politikkurs zum Beispiel mit dieser Frage:
„Regelmäßig wurde in den letzten Jahren eine Direktwahl des Bundespräsidenten durch die Bundesbürger diskutiert. Wie stehen Sie dazu?“

Auf Ihre Fragen und Einladungen zur Diskussion ernten Sie jedoch nur müdes Schweigen. Es scheint, als fühlte sich niemand von Ihren Angeboten und Aufforderungen angesprochen. Nach peinlicher Stille sind es immer wieder dieselben, die sich schließlich „erbarmen“ und zu Wort melden. Was in den Köpfen der anderen vorgeht, bleibt im Verborgenen.

Warum fallen die Reaktionen so spärlich aus? Trauen sich die Teilnehmer nicht, ihre Vermutungen oder Überzeugungen zu äußern? Fehlt ihnen der persönliche und aktuelle Bezug zum Thema, oder haben sie ganz einfach keine Lust, sich aufzuraffen? Möglich ist auch, dass sich die Lernenden bei Ihren Fragestellungen, die an alle 20 oder 30 Teilnehmer im Raum gerichtet sind, einfach nicht direkt genug gemeint fühlen.

Aus welchen Gründen auch immer – die Beteiligung der Gruppe so gering ist – bei manchen Schlüsselfragen wünschen Sie sich die aktive Mitarbeit möglichst aller.

Die Idee des Brillenträgervotums: Sie sprechen wenige Lernende ganz gezielt an, zum Beispiel so: „In den vergangenen Jahren wurde wiederholt diskutiert, ob der deutsche Bundespräsident anstatt durch die Bundesversammlung direkt von den Bürgern gewählt werden sollte. Wie stehen Sie zu einer Direktwahl des Bundespräsidenten? Ich wünsche mir ein Votum von allen Brillenträgern in unserer Runde.“

„Oho! Was ist das?!“, fragen sich die überraschten Teilnehmer und erkennen: „Wenn ich meine Brille aufhabe, bin ich gleich dran!“

Richtig, denn jetzt sind die 3, 5 oder 7 anwesenden Brillenträger nach Ihrer Meinung gefragt. „Sie sind Brillenträger“, sprechen Sie einen ersten Teilnehmer an, „was denken Sie über die Frage der Direktwahl?“

Reihum holen Sie die Beiträge der Brillenträger ein. „Aber was hat die Präsidentenwahl eigentlich mit Brillen zu tun?“, grübeln die Lernenden jetzt ganz berechtigt. Einen direkten Zusammenhang gibt es in diesem Beispiel nicht; es geht lediglich darum, eine mehr oder weniger zufällige Teilgruppe des Kurses auszuwählen. Natürlich können Sie sich auch pfiffige Attribute ausdenken, die zum Thema einen (möglichst nicht zu ernsten) Bezug haben. Aber im Grunde können Sie jede beliebige Gruppe unter den Lernenden ansprechen. Zum Beispiel:

  • Was sagen die Frauen dazu, was die Männer?
  • Wie urteilen die Friesen, wie die Schwaben?
  • Welche Meinung haben die Studenten mit Nebenfach Geschichte, was sagen die Leute mit Nebenfach Geographie?
  • Wie würden die Angestellten, wie die Freiberufler entscheiden?

Ich setze das Brillenträgervotum gerne ein, wenn ich die Aufmerksamkeit möglichst vieler Teilnehmer ohne großen Aufwand auf eine zentrale Frage lenken will. Wenn ich der Frage und ihren Antworten – wie im Theater mit Gong und Vorhang – einen guten „Auftritt” bereiten will.
Freuen Sie sich auf eine zweite Variante im September. Und dabei sind nicht nur die Brillenträger gefragt …

Munterrichtsmethoden bei Tipps und Tools fürs Training – Köln 2008

Tuesday, August 26th, 2008

Nach schönen Urlaubswochen ist die neue Munterrichtsmethodensaison eröffnet. Los ging es gleich mit einem Highlight. Schon zum zweiten Mal war ich mit der Methodensammlung bei „Tipps und Tools fürs Training“ in Köln dabei. Diese gelungene Veranstaltung für Trainer, Referenten und Personaler wird organisiert von Amelie Funcke von Rundum Seminare und Axel Rachow von Dart Consulting Köln. Mit organisatorischem Geschick und viel Humor haben die beiden auch 2008 wieder einen Tag mit begeisterten Lernenden, inspirierenden Trainern und insgesamt einfach angenehmer Atmosphäre auf die Beine gestellt.

Das Interesse an den Munterrichtsmethoden war groß: Über 60 Trainerinnen und Trainer testeten mit wachem Interesse ein paar munterrichtsmethodische Kostproben. Zum Beispiel Brllntrgrvtm, Blnd ntschdng, nvntr, Sthlrkl. Überrascht über die Tippfehler? Das waren wir auch, als Axel Rachow und Amelie Funcke uns bei der Abschlussveranstaltung Schilder mit Stichworten aus allen Workshops zeigten. Allen Begriffen waren die Vokale abhanden gekommen – und wir durften raten, welche Worte sich dahinter verbargen. Das machte Spaß und brachte ein Dutzend zentrale Schlagworte des Tages noch einmal allen in Erinnerung. Ich finde: Eine prima Munterrichtsmethode zum Auffrischen, die ich gleich nächste Woche anwenden werde.

Mehr „Tipps und Tools bei der TÜV-Akademie Köln“ gibt es 2009. Dann am 23. August. Dabei gilt wieder: 1 Tag, 100 Teilnehmer, 12 Workshops – und gute Stimmung! Ich freu mich drauf und kann die Veranstaltung wärmstens weiterempfehlen.

Munterrichtsmethoden in homöopathischen Dosen

Tuesday, August 12th, 2008

Aus Bielefeld kam kürzlich eine Buchbestellung von einer Leserin des Munterrichtsmethodenblogs. Über diesen ersten Leseeindruck von Frau Lahm vom Schreiblabor im Servicebereich “Beratung für Studium, Lehre und Karriere” der Universität Bielefeld freue ich mich sehr:

“Ich suchte nach Anregungen, die ich an Lehrende unserer Universität zum Thema ‘aktivierende Seminarmethoden’ weitergeben kann. An Ihrem Buch hat mich der Titel angesprochen, die klare, grafische Darstellung und dass die eigenen Vermittlungsziele zentral platziert werden. Mein allererster Eindruck: es bringt Leichtigkeit ins Thema ohne dabei albern zu sein und ich kann mir gut vorstellen, in unserem Kontext damit zu arbeiten (zunächst in homöopathischen Dosen, da es meiner Erfahrung nach bei Lehrenden einige Befürchtungen gibt, sie sollten zu didaktischen Spielereien verführt werden). ”

Auch ich erlebe immer wieder: Der Erfolg der Munterrichtsmethoden hängt ganz entscheidend von der passenden Dosierung ab! Prof. Dr. Klaus Döring vom Fachbereich Weiterbildungsmanagement an der TU Berlin hat mir dazu einen hilfreichen Satz eingebrannt: “Alles, was ich übertreibe, ist sträflich!” Das gilt auch für die Methodenwahl!

Liebe Frau Lahm, nun hoffe ich, dass Sie die richtige Dosierung finden und wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg mit den  Munterrichtsmethoden!