Methode des Monats September 2008

Blinde Entscheidung

„Wie schaffe ich es, möglichst viele Teilnehmer zum Mitmachen, Mitdenken, Mitentscheiden zu bewegen?“ – eine Antwort darauf bot die Methode des Monats im August – das Brillenträgervotum. Dabei war eine bestimmte Teilgruppe – die Brillenträger, Schwaben, Männer oder Frauen – direkt angesprochen. Alle Personen sind bei der „Blinden Entscheidung“ gefragt, die ich Ihnen im September vorstelle:

Mit der „Blinden Entscheidung“ können Sie die Aufmerksamkeit der Lernenden auf eine besonders wichtige Frage lenken. Zunächst weihen Sie dabei die Lernenden in das Vorgehen ein: „Ich werde Ihnen gleich eine für unser Thema wesentliche Frage stellen. Bei dieser besonderen Frage gilt auch eine besondere Spielregel für das Antworten. Und zwar diese: Sie haben zwei Möglichkeiten: Entweder antworten Sie mit „Ja“, dann halten Sie Ihren Daumen nach oben; oder mit „Nein“, dann halten Sie Ihren Daumen nach unten. Haben Sie die Spielregel verstanden?“

Wenn nun alle Daumen nach oben gehen, können Sie fortfahren:
„Nachdem die Regel für alle klar ist, können Sie es sich jetzt ganz gemütlich machen. Lehnen Sie sich zurück, strecken Sie die Beine aus, und machen Sie es sich so bequem wie möglich. Ich bitte Sie nun, Ihre Augen zu schließen – es wird Ihnen nichts Unangenehmes passieren. Gleich kommt die Frage. Bitte stimmen Sie mit Ihrem Daumen ab, und halten Sie Ihr Votum so lange aufrecht, bis ich Bescheid gebe.“

Wenn alle Formfragen geklärt sind, kommt Ihre Frage. Zum Beispiel diese in einem Seminar zur politischen Bildung: „Sollten Ihrer Meinung nach junge Menschen schon mit 16 den Bundestag wählen dürfen? Ja oder nein?“

Geeignet sind Fragen, die in der Regel nicht eindeutig falsch bzw. richtig beantwortet werden können. Die spannendsten Denk- und Diskussionsprozesse lösen Fragen aus, die man gewöhnlich am liebsten mit „Jein“ beantworten möchte, bei denen man hin- und hergerissen ist.

Wenn alle Lernenden mit ihrem Daumen abgestimmt haben, bitten Sie die Teilnehmer, die Daumen weiter zu halten und die Augen zu öffnen. Nun wird es spannend. Wie haben sich die anderen entschieden?

Sie können die Gruppe nun bitten, sich neu zu platzieren. Auf der einen Seite diejenigen, die mit „Ja“, auf der anderen Seite jene, die mit „Nein“ gestimmt haben. Sie können in die Runde fragen: „Sie haben mit „Ja“ geantwortet. Was hat Sie dazu bewogen?“

Häufig ist die „Blinde Entscheidung“ der Start einer lebhaften Diskussion, bei der alle Lernenden durch ihre Entscheidung beteiligt sind und persönlich Stellung bezogen haben. Das Gespräch wird von Ihnen moderiert, während die Gruppe Pro- und Kontra-Argumente sammelt und diskutiert.

Seit vielen Jahren setze ich die Methode immer wieder ein. Und immer wieder ist es für die Teilnehmer – und auch für mich spannend. Denn: Die Augen zu schließen, nicht zu wissen, was passiert, was die anderen tun – das war schon als Kinder spannend. Und es ist es noch immer!

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