Archive for November, 2008

Methode des Monats Oktober

Monday, November 17th, 2008

 „Lehr-Lern-Gang“ – Wiederholen mit Bewegung

Im Laufe mancher Seminartage entsteht eine ganze Menge Material: Sie als Trainer beschriften Flipchartbögen und Moderationskarten. Sie entwickeln Übersichten, Fachlandkarten und Diagramme, anhand deren Sie die Seminarinhalte erklären. Und häufig erstellen auch die Lernenden sichtbare Werke.

All das entstandene Material kann auch nach seinem ersten Einsatz weiter genutzt werden. Daraus lässt sich nach ein oder zwei Seminartagen eine kleine Ausstellung zusammenstellen. Mit ein wenig Kreppklebeband können die Bögen, Karten und Poster unkompliziert im Raum und auf dem Flur an den Wänden befestigt oder einfach auf Tischen und Böden ausgelegt werden.

Den neuen Tag oder die neue Einheit beginnt dann mit einem Lehr-Lern-Gang. Und der sieht so aus:
„Hallo und guten Morgen. Wie Sie sehen, hat sich hier eine Menge verändert. Im Raum und draußen auf dem Flur habe ich die Plakate, Flipcharts und Landkarten, die in den letzten Tagen entstanden sind, ausgestellt. Dazwischen hängen auch ein paar unserer zentralen Seminarfragen. Ich bitte Sie, sich einen Partner Ihrer Wahl zu suchen. Stellen Sie sich nun vor, Sie wären bei einer Vernissage und spazierten gemeinsam mit Ihrem Begleiter von Exponat zu Exponat. Lassen Sie sich Zeit, um die einzelnen Ausstellungsstücke genau zu betrachten und mit Ihrem Partner zu besprechen. Sie haben die Aufgabe, Ihre Erinnerungen an die jeweiligen Werke noch einmal aufzufrischen. Dabei bitte ich Sie, folgendermaßen vorzugehen: Jeweils einer von Ihnen übernimmt die Rolle des Ausstellungsführers. Er erklärt das Exponat und berichtet, was er dazu denkt und weiß. Der andere Partner hört zu, fragt nach und kann dann ergänzen, was ihm zum jeweiligen Gegenstand noch einfällt. Bevor Sie weitergehen, wechseln Sie die Rollen. Für Ihren Gang durch die Ausstellung haben Sie 15 Minuten Zeit. Viel Spaß!“

Wenn alle Teilnehmer Bescheid wissen, ziehen sie los. Sie verteilen sich zu den verschiedenen Ausstellungsstücken und beginnen mit dem Vernissage-Smalltalk. Was so leicht und so locker klingt, bietet den Teilnehmern eine gute Lernchance. In der Rolle des Ausstellungsführers sind die Lernenden gefordert, ihr Wissen und ihre Erinnerungen flott abzurufen und in einem kurzen Vortrag wiederzugeben. Das ist eine prima Übung! In der Rolle des Zuhörers erhalten die Teilnehmer mit den Zusammenfassungen ihrer Kollegen noch einmal eine Auffrischung des behandelten Stoffs. Durch den laufenden Wechsel zwischen Erinnern, Erzählen und Erklären auf der einen Seite und Zuhören und Nachfragen auf der anderen Seite wird der Lehr-Lern-Gang noch dazu kurzweilig. Schön ist daran auch, dass die Methode ein wenig körperliche Bewegung in den Seminaralltag bringt. Gerade nach oder vor längeren „Sitzungen“ ist das den Teilnehmern und auch mir als Trainer sehr willkommen!

Von den Lernenden selbst erhalte ich häufig Rückmeldungen wie diese: „Ich bin überrascht, was wir hier schon alles gemacht haben. Gut, dass wir uns die Ergebnisse noch einmal angeschaut haben. Sonst hätte ich sie bestimmt bald wieder vergessen!“ oder „Beim Erklären habe ich genau gemerkt, was ich verstanden habe und was nicht!“

Oft tauchen bei den Ausstellungsgesprächen in den Teams auch Fragen auf – manchmal bei vielen Paaren am selben Exponat. Im Anschluss an den Lehr-Lern-Gang bitten wir die Teilnehmer, kurz zu berichten, wie es ihnen ergangen ist. Dann können wir offene Fragen und ungeklärte Themen gleich aufgreifen und bearbeiten.

Damit eine ordentliche Sammlung zusammenkommt, sollten Sie mindestens zehn Flipchartbögen, Plakate oder andere Stücke aus dem Seminar bereithalten. Möglich ist auch, einfach Überschriften und wichtige Schlagworte aus der Fortbildung auf Karten zu schreiben und diese auszustellen.

Im Seminar begrüßen ich die Lernenden zum Lehr-Lern-Gang gerne mit einem Glas Sekt oder Saft. Es ist ja schließlich eine Vernissage. Also dann – Prost!