Archive for December, 2008

Viele gute Tipps für alle, die sich mit dem Schreiben schwer tun

Tuesday, December 9th, 2008

“Alle an der Universität schreiben – aber niemand spricht darüber” – mit diesem Satz beginnt eine aktuelle Seite des Schreiblabors Bielefeld. Sieben schreibende Wissenschaftler berichten in Podcasts über ihre Schreibstrategien. Sie erzählen, was ihnen schwer fällt, wie sie sich helfen und wie sie das Schreiben gelernt haben. Ich habe viele schöne Anregungen gefunden und empfehle die Seite allen, die Diplomarbeiten, Bachelorarbeiten, Bücher oder Fachtexte schreiben.

Methode des Monats Dezember

Sunday, December 7th, 2008

Schätzfrage

Schätzen finden viele Menschen aufregend. Die spannende Frage ist: Lande ich mit meinem Tipp den erhofften – aber doch unwahrscheinlichen – Volltreffer? Oder liege ich mit meiner Schätzung voll daneben?
Weil gute Schätfzragen faszinieren und fesseln können, lässt sich daraus leicht eine ganz unkomplizierte Munterrichtsmethode machen, mit der man die Aufmerksamkeit auf eine Frage lenken kann.
Die größte Herausforderung liegt meist darin, den richtigen “Stoff” zum Schätzen zu finden. Es lohnt sich dazu, die Seminarbausteine zu durchforsten: Schauen Sie sich an, was Sie im Seminar vorstellen, sagen und erklären wollen. Prüfen Sie, aus welchen Aussagen sich eine pfiffige Schätzfrage zimmern lassen könnte.
Ihre Frage sollte die Lernenden einerseits auf unbekanntes, ein wenig unsicheres Terrain führen. Denn wenn zwei Drittel der Lernenden die Antwort vermutlich bereits kennen, geht die Spannung verloren. Dann ist nicht Schätzen, sondern Wissen gefragt. Den Zauber einer guten Schätzfrage macht andererseits aus, dass die Lernenden doch eine – zumindest kleine – Chance haben, mit dem Tipp richtig zu liegen. Wenn Sie eine geeignete Schätzfrage gefunden haben, dann sollten Sie darauf achten, die Frage so eindeutig wie möglich zu formulieren. Wenn die Lernenden erst 3, 4 oder 5 Mal nachfragen müssen, wie Sie die Frage interpretieren sollen, dann geht der Reiz am Schätzen leicht verloren. Bei kniffligen Fragen lohnt es sich, die Frage für alle gut sichtbar zu visualisieren.
Ein Beispiel: Montagmorgen, 7.15 Uhr, Berliner Charité, großer Hörsaal. Pharmakologievorlesung. Der Professor fragt die (müden) Studenten: “Was schätzen Sie? Welche Nebenwirkungen werden in Deutschland durch Einnahme von Medikamenten am häufigsten ausgelöst?”

Ich setze Schätzfragen gerne ein, wenn ich das Interesse der Gruppe auf ein Thema lenken will. (So wie bei Ihnen jetzt gerade – was Schätzen Sie denn? Welche Nebenwirkungen werden am häufigsten ausgelöst?) Bei guten Schätzfragen kann ich beobachten, wie die Aufmerksamkeit in der Gruppe steigt, wie die Teilnehmer die Köpfe recken und Spannung in die Runde kommt.
Bevor der erste Teilnehmer seinen Tipp äußert, gebe ich den Lernenden gerne ein wenig Zeit zum Nachdenken. Und bei ganz zentralen Schätzfragen bitte ich manchmal auch darum, die Vermutung deutlich auf eine Moderationskarte zu schreiben. Wie die Jury beim Eiskunstlauf halten die Teilnehmer dann ihre Tipps hoch.
Ganz egal, wie die Teilnehmer antworten. Der für das Seminar wertvolle Teil kommt meist erst nach der unmittelbaren Antwort auf die Frage. Wir fragen die Teilnehmer nämlich gerne, wie sie auf ihre Antwort gekommen sind. “Wie kommen Sie gerade auf Herz-Kreislauf-Probleme?” In der Regel liefern die Leute dann sehr brauchbare Begründungen, mit denen wir später weiterarbeiten können.
Das Schöne an Schätzfragen: Mit geringem Aufwand, ohne Material und große Vorbereitungen können Vorträge und Seminare effektiv aufgemuntert werden.

Ach übrigens: Als häufigste Nebenwirkungen treten Hautausschläge und Allergien auf.