Archive for January, 2009

Methode des Monats Januar

Saturday, January 31st, 2009

Begriffspaten

“Wie kann ich die Lernenden noch besser in die Seminare miteinbeziehen”, “Was kann ich tun, damit die Teilnehmer eine noch aktivere Rolle übernehmen?”, fragte mich kürzlich eine Hochschuldozentin. Anlass für mich, im Januar die Munterrichtsmethode “Begriffspaten” vorzustellen. Die Sache ist – wie so viele Munterrichtsmethoden – ganz einfach:

Schauen Sie zu Beginn der Seminarplanung auf Ihr Stoffgebiet. Zum Beispiel dieses:”Das politische System der Bundesrepublik Deutschland – Eine Einführung”. Sammeln Sie Begriffe, die Sie im Seminar auf alle Fälle ansprechen, erklären, besprechen wollen. Die Liste bei unserem Beispielthema könnte so aussehen: “Fraktion”, “Ministerialbüroktratie”, “Konstruktives Misstrauensvotum”, “Bundesverfassungsgericht”, “Föderalismus”, “SPD”, “CDU”, “Richtlininienkompetenz” usw.

Alle diese Begriffe sind wichtig. Ich als Dozent könnte sie einführen, vorstellen, erklären. Ich könnte sie aber auch zu Beginn der Veranstaltung an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer übergeben.  Jeder Lernende übernimmt die Patenschaft für einen Begriff. Entweder die Lernenden wählen sich auf Karten – an der Tafel am Boden sichtbar, oder aus der Liste – einen Begriff aus. Oder sie ziehen sich einen Begriff aus dem Lostopf.

Für diesen Begriff übernehmen sie nun eine kleine Patenschaft. Das heißt, dass die Lernenden zu ihremWort recherchieren, sich kundig machen. Im Seminar haben sie als Pate die Aufgabe, ihren Begriff kurz vorzustellen, die anderen mit dem Thema bekannt zu machen. Sie können die Lernenden auch bitten, eine kurze Begriffsbeschreibung – zum Beispiel auf einer A 4 Seite – zu liefern. So entsteht ein kleines Lexikon zum Seminar.

Wer wann seinen Begriff vorstellt, können Sie per Liste regeln. So kommt jeweils an der passenden Stelle ein Beitrag von den Lernenden.

Ich selbst habe diese Methode als Student erlebt. Es war in meinem ersten Semester “Einführung in die Soziologie” im Wintersemester 1994/1995. Meinen Begriff erinnere ich noch genau: “Freizeitsoziologie”, obwohl es gut 14 Jahre zurückliegt. Warum? Weil ich aktiv gefragt war, weil ich mich mit dem Begriff beschäftigen musste. Ich habe eine Patenschaft übernommen!