Mehr muntere Mitmacher

“Was kann ich tun, damit die Teilnehmer sich auf die Methoden einlassen und aktiv mitmachen?”

Diese Frage stellten Trainerinnen und Trainer der REFA Berlin beim Munterrichtsmethodentag Ende März. Eine zentrale Frage, denn bei allen Munterrichtsmethoden ist die aktive Mitarbeit der Lernenden gefragt. An den Ostertagen habe ich überlegt. Hier kommen meine Antworten:

Vor der Veranstaltung:

Schon vor der Veranstaltung können Sie mit einer guten didaktischen Analyse die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich die Lernenden auf die Methoden einlassen. Das klingt komplizierter als es ist. Was ist gemeint?

Schauen Sie sich Ihr Seminar- und Kursanliegen an. Blicken Sie auf das Ziel Ihrer Veranstaltung, Ihr Thema, die Lernenden, die Rahmenbedingungen und auch auf Ihren persönlichen Lehr-Stil. Diese Variablen haben Einfluss auf die Methodenwahl.

Prüfen Sie genau, was Sie mit den Methoden bewirken wollen. Was sollen die Teilnehmer kennen lernen, verarbeiten, überprüfen, anwenden? Wenn Sie Ihr Ziel  klar gewählt haben, können Sie es den Lernenden auch gut erklären. Und wer weiß, warum etwas passiert, macht motivierter mit.

Blicken Sie auf Ihre Zielgruppe.  Überlegen Sie, mit wem Sie es zu tun haben. Was sind das für Menschen? Wie alt sind sie? An welche Methoden,  Arbeitsweisen sind sie gewöhnt? Diese Informationen sind wichtig für Ihre Methodenwahl. Nicht jede Methode passt zu jedem Teilnehmerkreis. Oft ist es auch schon die Verpackung, die es Lernenden leichter oder schwerer machen kann. Das kann der Titel der Methode sein oder der Aufhänger, mit dem Sie den Lernweg erklären.

Und: Schauen Sie auf sich selbst: Wie sieht Ihr Lern-, Unterrichts- oder Trainingsstil aus? Welche Methoden gefallen Ihnen selbst? Wie lehren und lernen Sie gerne? Wählen Sie Methoden, von denen Sie überzeugt sind! Denn von diesen Lehrwegen können SIe die Lernenden ganz leicht begeistern.

Sie sehen: Schon vor Kursbeginn können Sie wichtige Weichen stellen. Wenn Sie eine gut überlegte Wahl treffen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Methoden auch gut aufgenommen werden.

Während der Veranstaltung:

Die Munterrichtsmethoden sind ganz einfach. Und doch sind im Seminar einige klare Regieanweisungen nötig. Wenn die Lernenden fünf Mal nachfragen müssen, wie das mit der Methode jetzt gemeint ist, verzögert sich der Moment, in dem alle loslegen. Und die Chancen steigen, dass der Weg kritisch hinterfragt wird, wo er doch so unklar oder undurchdacht erscheint. Sorgen Sie also wie ein guter Regisseur für gute Erklärungen.

Manche Lernenden fragen nach: “Herr Groß, warum machen wir das?” Hier gilt es, hilfreiche Antworten zu geben. Bei der Inventur zum Beispiel könnte das so aussehen: “Wir haben schon eine Menge gelernt in den letzten Wochen. Damit sich das Wissen auch festigt,  schieben wir jetzt ein paar Minuten zur Datensicherung ein.” Die Lernenden haben ein Recht auf verständliche Begründungen unserer didaktischen Wahl.

Auch bei gewissenhafter Wahl vor der Veranstaltung, eigener Begeisterung, guter Erklärung und Begründung wird nicht allen Lernenden jede Methode gefallen. Denn die Menschen sind und lernen unterschiedlich. Das gilt es ab und zu auch auszuhalten und trotzdem munter weiter zu machen. Wenn wir einen guten Methodenmix anbieten, dann kommt auch bald wieder ein Lernweg, der den murrenden Teilnehmern mehr entspricht.

Nach der Veranstaltung:

Blicken Sie auf dem Heimwe, zu hause oder im Büro auf Ihre Methodenwahl zurück. Schauen Sie, wie die angeleiteten Methoden angekommen sind. Was wurde besonders gerne aufgenommen? Wo waren die Lernenden eher zögerlich? Ergänzen Sie Ihre didaktische Analyse für die nächste Wahl um wichtige Informationen.

Und halten Sie sich immer wieder vor Augen: Die Munterrichtsmethoden kommen ganz einfach daher. Aber sie fordern von den Lernenden aktive und engagierte Mitarbeit. Das stößt zunächst nicht immer bei allen gleichermaßen auf Freude. Ich erlebe immer wieder, dass ich in den ersten Minuten ein wenig für die Methode werben muss: “Ja, die Inventur fordert Sie heraus. Das ist erst einmal anstrengend. Aber Sie werden das gut hinkriegen, da bin ich ganz sicher.” Zehn oder fünfzehn Minuten später schaue ich oft in strahlende, zufriedene Gesichter. Wie schade, wenn ich beim ersten Widerstand einen Rückzieher gemacht hätte …

Mehr zur Methodenwahl finden Sie im Band “Munterrichtsmethoden”.

Ostermontag 2010

Harald Groß

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