Archive for the ‘Methode des Monats’ Category

Sorgen Sie schon im Seminar für Transfer

Sunday, June 27th, 2010

Mit dem Beutebuch Seminarbeute machen! 

In Ihren Seminaren versorgen Sie die Lernenden mit wertvollem Know-How. Ihr zentrales Anliegen: Die Teilnehmenden befähigen
und ermuntern, das Gelernte im Alltag umzusetzen. Fördern Sie mit den Beutebüchern den Lerntransfer. Gleich zu Beginn des Kurses überreichen Sie jedem Teilnehmer sein persönliches Beutebuch. Noch sind die Bücher leer. Das aber ändern die Lernenden im Laufe der Veranstaltung. Immer wieder räumen Sie Zeitenein, in denen die Teilnehmenden wichtige Gedanken, wertvolle Tipps und Ideen
notieren. Der Nutzen dabei:

* Die Lernenden halten inne und überlegen: “Was habe ich gerade gelernt?”

* Die Lernenden formulieren das Erlernte mit ihren eigenen Worten. So prägt es sich besser ein.

* Schon bei Ihren Notizen können die Lernenden die Inhalte in ihre Praxis übertragen.

* Anstatt vieler loser Kopien nehmen die Teilnehmenden aus Ihren Kursen eine kompakte Sammlung mit.

Lauter positiver Auswirkugnen auf den Lernprozess. Und: Vielen Teilnehmenden macht das Lernen mit den schönen Beutebüchern großen Spaß.  Vor allem ist die Begeisterung am Ende des Seminars oft groß: “Wow – das habe ich heute alles erarbeitet!”

Viele Teilnehmer kennen unsere Beutebücher aus den Munterrichtsmethodenworkshops mit Harald Groß. Ab jetzt können Sie die Beutebücher auch für Ihre Kurse im Orbium-Online-Shop bestellen. Viel Spaß damit – und gute Lernbeute!

Mit Ampelkarten mitdenken und miteinescheiden

Tuesday, March 2nd, 2010

Zum meteorologischen Frühlingsbeginn gibts nach längerer Pause mal wieder eine Methode des Monats. Sie ist frühlings-bunt und alle Lernenden sind beteiligt. Los gehts’s.

Im Seminar, in der Vorlesung, beim Vortrag oder beim Meeting wollen Sie die Teilnehmenden immer wieder aktiv einbinden. Toll wäre, wenn möglichst alle ab und zu aktiv mitdenken und mitentscheiden könnten. Natürlich sollte das am besten flott, unkomplizirt und ohne aufwändige Umbauten passieren.

Mit den Ampelkarten ist das – auch bei großen Gruppen – einfach möglich. Jeder Teilnehmende erhält ein Kartenset mit drei Karten: rot, grün und gelb.

Praktisch könnte das zum Beispiel so aussehen. Als Dozent, Moderator, Trainer fragen Sie die Teilnehmenden im Verlauf des Seminars zwei oder drei Mal nach ihrem Urteil, ihrer Vermutung.

In einer einführenden Pharmazie-Vorlesung könnten Sie zum Beispiel fragen:

“Viele Laien vermuten, dass in Deutschland Magen-Darm-Erkrankungen auf Platz 1 der häufigsten Nebenwirkungen von Medikamenten stehen. Stimmen Sie dieser Aussage zu? Wenn ja, halten Sie jetzt bitte Ihre grüne Karte hoch; wenn nein, die rote. Und wenn Sie unsicher sind, nehmen Sie die gelbe Karte.”

Jetzt kommen alle in Bewegung – gedanklich überlegend und physisch mit den Karten. Nach wenigen Augenblicken wird es bunt im Vorlesungssaal. Lassen Sie das Bild wirken. Die Teilnehmenden könnten in kurzen Gesprächen mit den Nachbarn ihre Entscheidung begründen. Oder Sie greifen das Votum einfach in Ihren Vortrag auf. Wie auch immer, für einige Augenblicke sind alle wach und aktiv dabei.

Viele weitere Einsatzformen zum Mitdenken, Mitentscheiden, Vermuten und Abstimmen sind mit den Ampelkarten möglich.

Schöne Karten für diese Munterrichtsmethode können Sie im Online-Shop unter www.orbium.de bestellen. Leuchtende Sets für kleine, mittlere oder auch große Gruppen.

Viel Spaß und gute Entscheidungen in Ihren Seminaren!

Methode des Monats Januar

Saturday, January 31st, 2009

Begriffspaten

“Wie kann ich die Lernenden noch besser in die Seminare miteinbeziehen”, “Was kann ich tun, damit die Teilnehmer eine noch aktivere Rolle übernehmen?”, fragte mich kürzlich eine Hochschuldozentin. Anlass für mich, im Januar die Munterrichtsmethode “Begriffspaten” vorzustellen. Die Sache ist – wie so viele Munterrichtsmethoden – ganz einfach:

Schauen Sie zu Beginn der Seminarplanung auf Ihr Stoffgebiet. Zum Beispiel dieses:”Das politische System der Bundesrepublik Deutschland – Eine Einführung”. Sammeln Sie Begriffe, die Sie im Seminar auf alle Fälle ansprechen, erklären, besprechen wollen. Die Liste bei unserem Beispielthema könnte so aussehen: “Fraktion”, “Ministerialbüroktratie”, “Konstruktives Misstrauensvotum”, “Bundesverfassungsgericht”, “Föderalismus”, “SPD”, “CDU”, “Richtlininienkompetenz” usw.

Alle diese Begriffe sind wichtig. Ich als Dozent könnte sie einführen, vorstellen, erklären. Ich könnte sie aber auch zu Beginn der Veranstaltung an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer übergeben.  Jeder Lernende übernimmt die Patenschaft für einen Begriff. Entweder die Lernenden wählen sich auf Karten – an der Tafel am Boden sichtbar, oder aus der Liste – einen Begriff aus. Oder sie ziehen sich einen Begriff aus dem Lostopf.

Für diesen Begriff übernehmen sie nun eine kleine Patenschaft. Das heißt, dass die Lernenden zu ihremWort recherchieren, sich kundig machen. Im Seminar haben sie als Pate die Aufgabe, ihren Begriff kurz vorzustellen, die anderen mit dem Thema bekannt zu machen. Sie können die Lernenden auch bitten, eine kurze Begriffsbeschreibung – zum Beispiel auf einer A 4 Seite – zu liefern. So entsteht ein kleines Lexikon zum Seminar.

Wer wann seinen Begriff vorstellt, können Sie per Liste regeln. So kommt jeweils an der passenden Stelle ein Beitrag von den Lernenden.

Ich selbst habe diese Methode als Student erlebt. Es war in meinem ersten Semester “Einführung in die Soziologie” im Wintersemester 1994/1995. Meinen Begriff erinnere ich noch genau: “Freizeitsoziologie”, obwohl es gut 14 Jahre zurückliegt. Warum? Weil ich aktiv gefragt war, weil ich mich mit dem Begriff beschäftigen musste. Ich habe eine Patenschaft übernommen!

Methode des Monats Dezember

Sunday, December 7th, 2008

Schätzfrage

Schätzen finden viele Menschen aufregend. Die spannende Frage ist: Lande ich mit meinem Tipp den erhofften – aber doch unwahrscheinlichen – Volltreffer? Oder liege ich mit meiner Schätzung voll daneben?
Weil gute Schätfzragen faszinieren und fesseln können, lässt sich daraus leicht eine ganz unkomplizierte Munterrichtsmethode machen, mit der man die Aufmerksamkeit auf eine Frage lenken kann.
Die größte Herausforderung liegt meist darin, den richtigen “Stoff” zum Schätzen zu finden. Es lohnt sich dazu, die Seminarbausteine zu durchforsten: Schauen Sie sich an, was Sie im Seminar vorstellen, sagen und erklären wollen. Prüfen Sie, aus welchen Aussagen sich eine pfiffige Schätzfrage zimmern lassen könnte.
Ihre Frage sollte die Lernenden einerseits auf unbekanntes, ein wenig unsicheres Terrain führen. Denn wenn zwei Drittel der Lernenden die Antwort vermutlich bereits kennen, geht die Spannung verloren. Dann ist nicht Schätzen, sondern Wissen gefragt. Den Zauber einer guten Schätzfrage macht andererseits aus, dass die Lernenden doch eine – zumindest kleine – Chance haben, mit dem Tipp richtig zu liegen. Wenn Sie eine geeignete Schätzfrage gefunden haben, dann sollten Sie darauf achten, die Frage so eindeutig wie möglich zu formulieren. Wenn die Lernenden erst 3, 4 oder 5 Mal nachfragen müssen, wie Sie die Frage interpretieren sollen, dann geht der Reiz am Schätzen leicht verloren. Bei kniffligen Fragen lohnt es sich, die Frage für alle gut sichtbar zu visualisieren.
Ein Beispiel: Montagmorgen, 7.15 Uhr, Berliner Charité, großer Hörsaal. Pharmakologievorlesung. Der Professor fragt die (müden) Studenten: “Was schätzen Sie? Welche Nebenwirkungen werden in Deutschland durch Einnahme von Medikamenten am häufigsten ausgelöst?”

Ich setze Schätzfragen gerne ein, wenn ich das Interesse der Gruppe auf ein Thema lenken will. (So wie bei Ihnen jetzt gerade – was Schätzen Sie denn? Welche Nebenwirkungen werden am häufigsten ausgelöst?) Bei guten Schätzfragen kann ich beobachten, wie die Aufmerksamkeit in der Gruppe steigt, wie die Teilnehmer die Köpfe recken und Spannung in die Runde kommt.
Bevor der erste Teilnehmer seinen Tipp äußert, gebe ich den Lernenden gerne ein wenig Zeit zum Nachdenken. Und bei ganz zentralen Schätzfragen bitte ich manchmal auch darum, die Vermutung deutlich auf eine Moderationskarte zu schreiben. Wie die Jury beim Eiskunstlauf halten die Teilnehmer dann ihre Tipps hoch.
Ganz egal, wie die Teilnehmer antworten. Der für das Seminar wertvolle Teil kommt meist erst nach der unmittelbaren Antwort auf die Frage. Wir fragen die Teilnehmer nämlich gerne, wie sie auf ihre Antwort gekommen sind. “Wie kommen Sie gerade auf Herz-Kreislauf-Probleme?” In der Regel liefern die Leute dann sehr brauchbare Begründungen, mit denen wir später weiterarbeiten können.
Das Schöne an Schätzfragen: Mit geringem Aufwand, ohne Material und große Vorbereitungen können Vorträge und Seminare effektiv aufgemuntert werden.

Ach übrigens: Als häufigste Nebenwirkungen treten Hautausschläge und Allergien auf.

Methode des Monats Oktober

Monday, November 17th, 2008

 „Lehr-Lern-Gang“ – Wiederholen mit Bewegung

Im Laufe mancher Seminartage entsteht eine ganze Menge Material: Sie als Trainer beschriften Flipchartbögen und Moderationskarten. Sie entwickeln Übersichten, Fachlandkarten und Diagramme, anhand deren Sie die Seminarinhalte erklären. Und häufig erstellen auch die Lernenden sichtbare Werke.

All das entstandene Material kann auch nach seinem ersten Einsatz weiter genutzt werden. Daraus lässt sich nach ein oder zwei Seminartagen eine kleine Ausstellung zusammenstellen. Mit ein wenig Kreppklebeband können die Bögen, Karten und Poster unkompliziert im Raum und auf dem Flur an den Wänden befestigt oder einfach auf Tischen und Böden ausgelegt werden.

Den neuen Tag oder die neue Einheit beginnt dann mit einem Lehr-Lern-Gang. Und der sieht so aus:
„Hallo und guten Morgen. Wie Sie sehen, hat sich hier eine Menge verändert. Im Raum und draußen auf dem Flur habe ich die Plakate, Flipcharts und Landkarten, die in den letzten Tagen entstanden sind, ausgestellt. Dazwischen hängen auch ein paar unserer zentralen Seminarfragen. Ich bitte Sie, sich einen Partner Ihrer Wahl zu suchen. Stellen Sie sich nun vor, Sie wären bei einer Vernissage und spazierten gemeinsam mit Ihrem Begleiter von Exponat zu Exponat. Lassen Sie sich Zeit, um die einzelnen Ausstellungsstücke genau zu betrachten und mit Ihrem Partner zu besprechen. Sie haben die Aufgabe, Ihre Erinnerungen an die jeweiligen Werke noch einmal aufzufrischen. Dabei bitte ich Sie, folgendermaßen vorzugehen: Jeweils einer von Ihnen übernimmt die Rolle des Ausstellungsführers. Er erklärt das Exponat und berichtet, was er dazu denkt und weiß. Der andere Partner hört zu, fragt nach und kann dann ergänzen, was ihm zum jeweiligen Gegenstand noch einfällt. Bevor Sie weitergehen, wechseln Sie die Rollen. Für Ihren Gang durch die Ausstellung haben Sie 15 Minuten Zeit. Viel Spaß!“

Wenn alle Teilnehmer Bescheid wissen, ziehen sie los. Sie verteilen sich zu den verschiedenen Ausstellungsstücken und beginnen mit dem Vernissage-Smalltalk. Was so leicht und so locker klingt, bietet den Teilnehmern eine gute Lernchance. In der Rolle des Ausstellungsführers sind die Lernenden gefordert, ihr Wissen und ihre Erinnerungen flott abzurufen und in einem kurzen Vortrag wiederzugeben. Das ist eine prima Übung! In der Rolle des Zuhörers erhalten die Teilnehmer mit den Zusammenfassungen ihrer Kollegen noch einmal eine Auffrischung des behandelten Stoffs. Durch den laufenden Wechsel zwischen Erinnern, Erzählen und Erklären auf der einen Seite und Zuhören und Nachfragen auf der anderen Seite wird der Lehr-Lern-Gang noch dazu kurzweilig. Schön ist daran auch, dass die Methode ein wenig körperliche Bewegung in den Seminaralltag bringt. Gerade nach oder vor längeren „Sitzungen“ ist das den Teilnehmern und auch mir als Trainer sehr willkommen!

Von den Lernenden selbst erhalte ich häufig Rückmeldungen wie diese: „Ich bin überrascht, was wir hier schon alles gemacht haben. Gut, dass wir uns die Ergebnisse noch einmal angeschaut haben. Sonst hätte ich sie bestimmt bald wieder vergessen!“ oder „Beim Erklären habe ich genau gemerkt, was ich verstanden habe und was nicht!“

Oft tauchen bei den Ausstellungsgesprächen in den Teams auch Fragen auf – manchmal bei vielen Paaren am selben Exponat. Im Anschluss an den Lehr-Lern-Gang bitten wir die Teilnehmer, kurz zu berichten, wie es ihnen ergangen ist. Dann können wir offene Fragen und ungeklärte Themen gleich aufgreifen und bearbeiten.

Damit eine ordentliche Sammlung zusammenkommt, sollten Sie mindestens zehn Flipchartbögen, Plakate oder andere Stücke aus dem Seminar bereithalten. Möglich ist auch, einfach Überschriften und wichtige Schlagworte aus der Fortbildung auf Karten zu schreiben und diese auszustellen.

Im Seminar begrüßen ich die Lernenden zum Lehr-Lern-Gang gerne mit einem Glas Sekt oder Saft. Es ist ja schließlich eine Vernissage. Also dann – Prost!

Methode des Monats September 2008

Wednesday, September 17th, 2008

Blinde Entscheidung

„Wie schaffe ich es, möglichst viele Teilnehmer zum Mitmachen, Mitdenken, Mitentscheiden zu bewegen?“ – eine Antwort darauf bot die Methode des Monats im August – das Brillenträgervotum. Dabei war eine bestimmte Teilgruppe – die Brillenträger, Schwaben, Männer oder Frauen – direkt angesprochen. Alle Personen sind bei der „Blinden Entscheidung“ gefragt, die ich Ihnen im September vorstelle:

Mit der „Blinden Entscheidung“ können Sie die Aufmerksamkeit der Lernenden auf eine besonders wichtige Frage lenken. Zunächst weihen Sie dabei die Lernenden in das Vorgehen ein: „Ich werde Ihnen gleich eine für unser Thema wesentliche Frage stellen. Bei dieser besonderen Frage gilt auch eine besondere Spielregel für das Antworten. Und zwar diese: Sie haben zwei Möglichkeiten: Entweder antworten Sie mit „Ja“, dann halten Sie Ihren Daumen nach oben; oder mit „Nein“, dann halten Sie Ihren Daumen nach unten. Haben Sie die Spielregel verstanden?“

Wenn nun alle Daumen nach oben gehen, können Sie fortfahren:
„Nachdem die Regel für alle klar ist, können Sie es sich jetzt ganz gemütlich machen. Lehnen Sie sich zurück, strecken Sie die Beine aus, und machen Sie es sich so bequem wie möglich. Ich bitte Sie nun, Ihre Augen zu schließen – es wird Ihnen nichts Unangenehmes passieren. Gleich kommt die Frage. Bitte stimmen Sie mit Ihrem Daumen ab, und halten Sie Ihr Votum so lange aufrecht, bis ich Bescheid gebe.“

Wenn alle Formfragen geklärt sind, kommt Ihre Frage. Zum Beispiel diese in einem Seminar zur politischen Bildung: „Sollten Ihrer Meinung nach junge Menschen schon mit 16 den Bundestag wählen dürfen? Ja oder nein?“

Geeignet sind Fragen, die in der Regel nicht eindeutig falsch bzw. richtig beantwortet werden können. Die spannendsten Denk- und Diskussionsprozesse lösen Fragen aus, die man gewöhnlich am liebsten mit „Jein“ beantworten möchte, bei denen man hin- und hergerissen ist.

Wenn alle Lernenden mit ihrem Daumen abgestimmt haben, bitten Sie die Teilnehmer, die Daumen weiter zu halten und die Augen zu öffnen. Nun wird es spannend. Wie haben sich die anderen entschieden?

Sie können die Gruppe nun bitten, sich neu zu platzieren. Auf der einen Seite diejenigen, die mit „Ja“, auf der anderen Seite jene, die mit „Nein“ gestimmt haben. Sie können in die Runde fragen: „Sie haben mit „Ja“ geantwortet. Was hat Sie dazu bewogen?“

Häufig ist die „Blinde Entscheidung“ der Start einer lebhaften Diskussion, bei der alle Lernenden durch ihre Entscheidung beteiligt sind und persönlich Stellung bezogen haben. Das Gespräch wird von Ihnen moderiert, während die Gruppe Pro- und Kontra-Argumente sammelt und diskutiert.

Seit vielen Jahren setze ich die Methode immer wieder ein. Und immer wieder ist es für die Teilnehmer – und auch für mich spannend. Denn: Die Augen zu schließen, nicht zu wissen, was passiert, was die anderen tun – das war schon als Kinder spannend. Und es ist es noch immer!

Wer wird Millionär an der Uni II

Monday, September 15th, 2008

Bereits im März habe ich freudig über den munterrichtenden Professor aus Frankfurt berichtet. Nun freut sich RTL mit. In einem kleinen Film auf YouTube ist zu sehen, wie die muntere Vorlesungspraxis von Pharmazieprofessor Dingermann an der Universität Frankfurt aussieht. An sich ist die Sache ganz einfach: Der Professor doziert nicht nur; zwischendurch stellt er auch Fragen. Das Besondere dabei: Alle Studierenden sind angesprochen und gefordert, ihre Antwort elektronisch abzugeben. Und dann wird auf der Basis der Antworten weitergearbeitet. So bleiben die Studenten wach bei der Sache. Sie selbst sagen im Film: „Es hält einen aufmerksam!“, „Man überprüft sich selbst!“ oder „Das verhindert, dass man in den Dämmerzustand absinkt!“

Was der fragende Prof mit technischer Ausstattung für viele macht, ist prima. Denn so zieht der Lernstoff nicht einfach nur müde an den Studierenden vorbei. Sie sind aktiv eingebunden und gefragt, sich mit den Themen auseinanderzusetzen. Und das erhöht ganz nebenbei die Verarbeitungstiefe und damit den Lerngewinn.

In der Methode des Monats September finden Sie in Kürze eine Idee, wie Sie auch ohne TED-System alle Lernenden am Frageprozess beteiligen können.

Methode des Monats August

Sunday, August 31st, 2008

Brillenträgervotum oder was tun, wenn keiner antwortet?

Haben Sie das auch schon erlebt? Sie referieren in einem Seminar oder einer Vorlesung. Immer wieder versuchen Sie, den Lernenden den Ball zuzuspielen. In einem Politikkurs zum Beispiel mit dieser Frage:
„Regelmäßig wurde in den letzten Jahren eine Direktwahl des Bundespräsidenten durch die Bundesbürger diskutiert. Wie stehen Sie dazu?“

Auf Ihre Fragen und Einladungen zur Diskussion ernten Sie jedoch nur müdes Schweigen. Es scheint, als fühlte sich niemand von Ihren Angeboten und Aufforderungen angesprochen. Nach peinlicher Stille sind es immer wieder dieselben, die sich schließlich „erbarmen“ und zu Wort melden. Was in den Köpfen der anderen vorgeht, bleibt im Verborgenen.

Warum fallen die Reaktionen so spärlich aus? Trauen sich die Teilnehmer nicht, ihre Vermutungen oder Überzeugungen zu äußern? Fehlt ihnen der persönliche und aktuelle Bezug zum Thema, oder haben sie ganz einfach keine Lust, sich aufzuraffen? Möglich ist auch, dass sich die Lernenden bei Ihren Fragestellungen, die an alle 20 oder 30 Teilnehmer im Raum gerichtet sind, einfach nicht direkt genug gemeint fühlen.

Aus welchen Gründen auch immer – die Beteiligung der Gruppe so gering ist – bei manchen Schlüsselfragen wünschen Sie sich die aktive Mitarbeit möglichst aller.

Die Idee des Brillenträgervotums: Sie sprechen wenige Lernende ganz gezielt an, zum Beispiel so: „In den vergangenen Jahren wurde wiederholt diskutiert, ob der deutsche Bundespräsident anstatt durch die Bundesversammlung direkt von den Bürgern gewählt werden sollte. Wie stehen Sie zu einer Direktwahl des Bundespräsidenten? Ich wünsche mir ein Votum von allen Brillenträgern in unserer Runde.“

„Oho! Was ist das?!“, fragen sich die überraschten Teilnehmer und erkennen: „Wenn ich meine Brille aufhabe, bin ich gleich dran!“

Richtig, denn jetzt sind die 3, 5 oder 7 anwesenden Brillenträger nach Ihrer Meinung gefragt. „Sie sind Brillenträger“, sprechen Sie einen ersten Teilnehmer an, „was denken Sie über die Frage der Direktwahl?“

Reihum holen Sie die Beiträge der Brillenträger ein. „Aber was hat die Präsidentenwahl eigentlich mit Brillen zu tun?“, grübeln die Lernenden jetzt ganz berechtigt. Einen direkten Zusammenhang gibt es in diesem Beispiel nicht; es geht lediglich darum, eine mehr oder weniger zufällige Teilgruppe des Kurses auszuwählen. Natürlich können Sie sich auch pfiffige Attribute ausdenken, die zum Thema einen (möglichst nicht zu ernsten) Bezug haben. Aber im Grunde können Sie jede beliebige Gruppe unter den Lernenden ansprechen. Zum Beispiel:

  • Was sagen die Frauen dazu, was die Männer?
  • Wie urteilen die Friesen, wie die Schwaben?
  • Welche Meinung haben die Studenten mit Nebenfach Geschichte, was sagen die Leute mit Nebenfach Geographie?
  • Wie würden die Angestellten, wie die Freiberufler entscheiden?

Ich setze das Brillenträgervotum gerne ein, wenn ich die Aufmerksamkeit möglichst vieler Teilnehmer ohne großen Aufwand auf eine zentrale Frage lenken will. Wenn ich der Frage und ihren Antworten – wie im Theater mit Gong und Vorhang – einen guten „Auftritt” bereiten will.
Freuen Sie sich auf eine zweite Variante im September. Und dabei sind nicht nur die Brillenträger gefragt …

Methode des Monats Juli

Monday, July 28th, 2008

Wiederholungsritual

Die Sonne scheint, der Himmel lacht, viele machen Ferien. Für Dozenten und Trainer eine gute Zeit, neue Energie zu schöpfen und neue Ideen für die Herbstsaison zu entwickeln. Da könnte unsere Methode des Monats Juli eine gute Anregung sein.

Mit dem “Wiederholungsritual” können Sie Ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst zu munteren Methodikern machen. Denn die ersten fünf Minuten jeder Seminareinheit sind für eine Wiederholung reserviert. Jeweils ein oder zwei Teilnehmer bereiten eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse der vorangegangenen Einheit vor. Erzählend, fragend, spielend rufen sie die Ergebnisse wieder in Erinnerung. Die Form bleibt den Wiederholern überlassen. Meine Erfahrung dabei: Je methodenmunterer ich unterrichte, desto vielfältiger und kreativer werden auch die Wiederholungsbeiträge der Teilnehmer. Und das ist lerntechnisch prima: Denn so werden bei der kurzen Erinnerungszeit verschiedene Lernkanäle angesprochen, unterschiedliche Abrufhilfen noch
einmal verstärkt.

Wenn ich das Wiederholungsritual zu Beginn meiner Kurse, zum Beispiel an der Hochschule, vorstelle, erlebe ich manchmal zweifelnde Teilnehmer: “Wozu jede Woche der Aufwand?” – so lautet häufig der Einwand. Diese Bedenken lösen sich im Laufe des Kurses jedoch meist auf. Viele Lernende erfahren bei diesem Ritual, wie wertvoll regelmäßige Rückschauen für den Lernprozess sind. Der Lernprozess will eben bewegt und erinnert werden!

Aber auch für uns Trainer sind die Wiederholungsminuten sehr aufschlussreich. Da jeweils ein anderer Teilnehmer die Regie über die
Rückschau übernimmt, erfahren wir auf vielfältige Art, welche Inhalte, Erfahrungen und Erkenntnisse aus Sicht der Lernenden besonders wesentlich und wiederholenswert waren.

Im Laufe der Jahre habe ich ein paar Erfolgshebel für das Wiederholungsritual entdeckt: Richtig gut wird es, wenn ich – möglichst
schriftlich – klare Rahmen für die Wiederholungen vorgebe. Hier bin ich als zielstrebiger Organisator gefragt: “Wer übernimmt wann mit wem die Wiederholung?”. Ein Feedback von mir an die Wiederholer ist ein weiterer Ansporn. Denn beim Wiederholungsritual hat jeder Teilnehmer die Chance, im Laufe des Kurses für fünf Minuten die Leitung zu übernehmen.

Ganz zu Beginn stelle ich das Wiederholungsritual mit einem jüdischen Sprichwort vor: “Wer studiert, nicht repetiert, der hat gesät und nicht gemäht”

Juni 2008 – Methode des Monats

Friday, July 18th, 2008

Schnattern

„Für mich waren die Gespräche mit den Kommilitonen das Wichtigste an diesem Kurs. Da haben wir das, was allgemein besprochen wurde, noch mal für uns überprüft und geschaut, wie wir das umsetzen können.“

Das war das Statement eines Siemens-Studenten an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin (FHW) am Ende eines Kurstages zum Thema „Lern- und Arbeitsmotivation“ in der letzten Woche. Ein Grund für mich, heute über die Munterrichtsmethode „Schnattern“ zu schreiben. Sie ist ganz einfach, aber – wie die Rückmeldung des Studenten zeigt – wirksam und wichtig für den Lernprozess.

So funktioniert die Methode: Neben fachlichem Input, Diskussionen in der Gesamtgruppe oder Gruppenarbeiten, geben Sie den Lernenden immer wieder den Auftrag, mit einem Nachbarn, einer Nachbarin für ein paar Minuten zu einem speziellen Thema ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Erfolgswichtig dafür ist eine präzise Ausgangsfrage, die die Lernenden in wenigen Minuten zum Sammeln, Nachdenken, Prüfen, Überlegen, Fantasieren anregt. Schnattern eignet sich hervorragend, um Stoffsammlungen, Erörterungen und Diskussionen durch die Teilnehmer vorbereiten zu lassen. Ich setze die Technik vor allem dann ein, wenn es um die persönlichen Haltungen, die Standpunkte und Positionen der Lernenden geht. In der großen Runde käme nur ein Teil der Lernenden zu Wort. Schnatternd sind alle Teilnehmer zeitgleich aufgefordert, für sich zu überlegen, was sie denken, wie sie zu der Frage stehen und ihr eigenes Urteil zu bilden.

Natürlich haben wir letztlich keinen Einfluss darauf, worüber sich die Teilnehmer mit ihren Partnern tatsächlich unterhalten. Vielleicht nutzen einige die Gelegenheit, um sich über Kinoprogramme oder das anstehende Mittagessen auszumären … oder hemmungslos mit ihrem Schnatterpartner zu flirten … Aus zwei Gründen sehe ich das ganz gelassen: Zum einen ist die Schnatter-Zeit für die Leute vielleicht genau die Pause, auf die sie schon lange im Seminar gewartet haben, in der sie sich mit ihrem Nachbarn die eine oder andere offene Frage klären können. Und nach den 3 privaten Minuten sind sie wieder voll dabei. Zum anderen: Wissen wir, was die Leute tatsächlich denken, während sie (nicht schnatternd) im Seminarraum sitzen?

Schnattern ist eine prima Vorbereitung auf Diskussionen in der Gruppe. In den Kurzgesprächen hatten die Lernenden Gelegenheit, ihre Gedanken zu sortieren. Jetzt fällt es den meisten leicht, ihre Argumente präzise zu formulieren. So kann die Diskussion nun auf hoher Ebene geführt werden.

Schön am Schnattern ist: Die Methode lässt sich unkompliziert und spontan einbinden. Mit einer präzisen Ausgangsfrage können Sie den Ball an die Lernenden abgeben. Wenn Sie im Laufe einer Seminareinheit mehrere Schnatter-Sequenzen einbauen, dann können Sie das Ganze beleben, indem Sie die Teilnehmer mit unterschiedlichen Partnern ins Gespräch kommen lassen. Sogar im Hörsaal sind schon – ohne langes Suchen und Finden – bis zu vier Formen möglich: Nachbar rechts, Nachbar links, Vorder- und Hintermann.
Als Teilnehmer habe ich kürzlich erlebt, was passiert, wenn „Schnatterzeiten“ in Fortbildungen fehlen. Immer mehr Informationen, Modelle und Wissen wurden angehäuft. Das alles war spannend und anregend. Doch mir fehlten Momente, in denen ich die Informationen hätte verarbeiten, besprechen, bewegen und auf meine Situation übertragen können. Ein paar Schnattersequenzen mit dem Nachbarn hätten da ganz leicht für eine bessere Verarbeitung gesorgt.