Archive for the ‘Rezension’ Category

Munterrichtsmethoden in homöopathischen Dosen

Tuesday, August 12th, 2008

Aus Bielefeld kam kürzlich eine Buchbestellung von einer Leserin des Munterrichtsmethodenblogs. Über diesen ersten Leseeindruck von Frau Lahm vom Schreiblabor im Servicebereich “Beratung für Studium, Lehre und Karriere” der Universität Bielefeld freue ich mich sehr:

“Ich suchte nach Anregungen, die ich an Lehrende unserer Universität zum Thema ‘aktivierende Seminarmethoden’ weitergeben kann. An Ihrem Buch hat mich der Titel angesprochen, die klare, grafische Darstellung und dass die eigenen Vermittlungsziele zentral platziert werden. Mein allererster Eindruck: es bringt Leichtigkeit ins Thema ohne dabei albern zu sein und ich kann mir gut vorstellen, in unserem Kontext damit zu arbeiten (zunächst in homöopathischen Dosen, da es meiner Erfahrung nach bei Lehrenden einige Befürchtungen gibt, sie sollten zu didaktischen Spielereien verführt werden). ”

Auch ich erlebe immer wieder: Der Erfolg der Munterrichtsmethoden hängt ganz entscheidend von der passenden Dosierung ab! Prof. Dr. Klaus Döring vom Fachbereich Weiterbildungsmanagement an der TU Berlin hat mir dazu einen hilfreichen Satz eingebrannt: “Alles, was ich übertreibe, ist sträflich!” Das gilt auch für die Methodenwahl!

Liebe Frau Lahm, nun hoffe ich, dass Sie die richtige Dosierung finden und wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg mit den  Munterrichtsmethoden!

Munterrichtsmethoden – auch für die Schule!

Tuesday, April 1st, 2008

Entwickelt wurden die Munterrichtsmethoden zunächst in der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung. Auch in Seminaren und Vorlesungen mit Studierenden sind viele der Methoden entstanden. Mit erwachsenen Lernenden haben sich die Methoden bei vielen Menschen bewährt und für munteres und erfolgreiches Lernen gesorgt. „Lassen sich die Methoden auf andere Zielgruppen übertragen?“ Diese Frage beschäftigt mich sehr. Über die Einschätzung von Arthur Thömmes von lehrerbibliothek.de freue ich mich daher besonders. Er schreibt:

“Zunächst richtet sich das Buch an Menschen, die Seminare durchführen. Ich möchte es aber auch ausdrücklich für die Unterrichtspraxis im schulischen Bereich empfehlen. Es liefert eine Vielzahl an kreativen und praktischen Ideen, um Schülerinnen und Schülern das Lernen von Inhalten schmackhafter zu machen.”

Die ausführliche Rezension zu den Munterrichtsmethoden finden Sie hier.

“Das einzige, was stört, sind die Teilnehmer” – ein Lesetipp

Monday, March 10th, 2008

Dieser provokante Buchtitel sprach mich auf den ersten Blick an. Und auch der Untertitel „Schwierige Seminarsituationen meistern“ des neuen Buches von Rolf Meier weckte mein Interesse: Denn schwierige Situationen gibt’s im Seminar immer wieder. Und weil die nicht selten mit den Teilnehmern zu tun haben, griff ich zum Buch.

In dreizehn übersichtlich gegliederten Kapiteln werden darin verschiedene Felder vorgestellt, aus denen Schwierigkeiten herrühren können. Schnell wird dabei klar, dass es nicht nur die Teilnehmer sind, die das Seminarleben schwer machen: Auch die Rahmenbedingungen und wir als Trainer mit unserer ganzen Persönlichkeit und unserem Unterrichtsstil haben Einfluss.

Was ist für Sie eine Störung?“, fragt das Buch immer wieder. Reicht es, wenn ein Teilnehmer die Zeitung liest, isst, sich unterhält oder muss es richtig krachen zwischen den Teilnehmern oder mit Ihnen? Mit vielen Fragebögen unterstützt das Buch, die eigenen Störgrenzen zu identifizieren und macht deutlich, dass das Störungsempfinden durchaus subjektiv ist. Neben der Analyse von Störungen und Schwierigkeiten ist das Buch eine Fundstelle für wertvolle Ideen und Anregungen. Man merkt, dass der Autor ein „alter Hase“ im Trainergeschäft ist, der den Alltag mit all seinen Herausforderungen nur zu gut kennt …

Der für mich wertvollste Gedanke des Buches ist, Probleme im Seminar als normal anzusehen. Rolf Meier schreibt dazu: „Eine Schulung ist eigentlich eine sehr ungewöhnliche und letztlich unnatürliche Situation ist. Menschen werden aus ihren normalen Lebensbezügen mit ihren liebgewonnenen Ritualen und Abläufen heraus geholt und dazu gebracht, stundenlang in einem Raum zu sitzen und jemandem zuzuhören, sich seinem Rhythmus anzupassen und sich lange zu konzentrieren. Dabei wäre es ganz unnormal, wenn dies alles problemlos vonstatten gehen würde.“

Mein Ziel ist es natürlich auch weiterhin, möglichst „störungsfreie“ Seminare zu leiten. Aber wenn es doch Schwierigkeiten gibt, dann nehme ich sie Dank Rolf Meiers Buch ein wenig gelassener …

Das Buch erschien 2007 im GABAL-Verlag. ISBN: 978-3-89749-677-4

Ein Lesetipp (ein Lesemuss?) für Trainer, Ausbilder, Lehrer und Dozenten

Friday, February 15th, 2008

Dynamik in Gruppen – Handbuch der Gruppenleitung

„Man glaube nicht, dass eine einmalige flüchtige Lektüre von Hauptwerken einer Wissenschaft, welche mühsameres Studium erfordern, hinreichend sei, sondern lese diese Werke in größeren Zwischenräumen mehreremal.“ Diesen Rat gab der Berliner Professor Kiesewetter seinen Studenten im Jahr 1811. Heute möchte ich Ihnen ein Buch empfehlen, das aus meiner Sicht für uns Trainer, Ausbilder, Lehrer und Dozenten zu den ganz großen Hauptwerken zählt. Ich selbst kann es gar nicht oft genug lesen – und finde es immer wieder aufs Neue spannend und gewinnbringend.

Das sind große Worte. „Was bietet es nun, das Buch?“: Eberhard Stahl beschreibt in dem nahezu vierhundertseitigen Werk das Leben von Gruppen. Mit eingängigen Modellen, verständlichen Bildern und vielen Beispielen aus der Praxis nimmt er die Dynamik in Lern- und Arbeitsgruppen unter die Lupe. Im Zentrum steht das vielerseits bekannte Entwicklungsmodell von Gruppen nach Tuckman. Es beschreibt die Phasen Forming, Storming, Norming, Performing und Reforming. „Alles schon mal gehört“ – denken Sie vielleicht. Das dachte ich auch, doch das Buch hat mich eines besseren belehrt. Eberhard Stahl benennt die verschiedenen Phasen nicht nur, er analysiert sie aus vielen verschiedenen Blickwinkeln. Er deckt auf, welche Aufgaben wir als Trainer in den verschiedenen Phasen haben und beschreibt unsere Rollen mit einprägsamen Bildern. So prüfe ich inzwischen immer wieder, in welcher Rolle ich in der Gruppe gerade gefragt bin: Als fürsorgender Pate, als Sprengmeister, als Notar oder schließlich als Arbeitsloser, der sich zurückzieht und die Gruppe machen lässt. Doch das Buch bleibt nicht nur bei der Analyse. Es gibt konkrete Hilfestellungen für die vielen dynamischen Situationen, die wir als Leiterinnen und Leiter von Gruppen erleben können.

Mir hat das Buch einen ganz neuen Blick auf Gruppen und meine Arbeit als Gruppenleitung eröffnet. Ehrlicherweise muss ich hinzufügen: Als ich „Dynamik in Gruppen“ vor zwei Jahren im Sommerurlaub zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich sehr verunsichert. „Oh je. Wenn das Leben und Arbeiten in Gruppen so komplex ist, kann ich gar nicht mehr als Trainer antreten“. Die Verunsicherung ist in der Praxis schnell wieder verflogen. Was blieb, ist eine Vielzahl von sehr hilfreichen Erkenntnissen, Modellen und Tipps für die Gruppenarbeit.

Eröffnet wird das Buch mit einem Geleitwort von Kommunikationsexperte Friedemann Schulz von Thun. Seinem Fazit kann ich nur zustimmen: „Wenn ich heute einen Wunsch offen hätte, dann den: Dass dieses Buch hierzulande bald zur Allgemeinbildung gehören möge!“

“Die Methoden sind so schön einfach!”

Thursday, January 31st, 2008

“Mir gefällt gut, dass man bei den Munterrichtsmethoden mit so wenig Material und Aufwand auskommt. Sie sind so schön einfach!” – so beurteilte eine Lehrerin letzte Woche beim Workshop die Munterrichtsmethoden. Anders als bei vielen gängigen  Methodensammlungen brauche es hier oft wenig Vorbereitung, wenig Material sei im Vorfeld zu kopieren, zu schneiden und zu verteilen. Eine Rückmeldung, die mich sehr erfreute.

Denn in der Tat: Bei fast allen Munterrichtsmethoden sind es nicht die vorbereiteten Materialien, sondern die munteren Einfälle, Ansagen und Anleitungen, die das Lernen spannend und gewinnbringend machen. Munterrichtsmethodiker können – je nach Lehrsituation – ganz flott einen passenden Methodenmix aus dem Ärmel schütteln und flexibel an Gruppe, Thema und Ziel anpassen. Und das gelingt ohne große Materialschlacht vor oder während dem Seminar.

“Die Methoden sind einfach” – daraus könnte ein achtes Munterrichtsprinzip werden. Und zwar eines, das für uns Lehrende bei der
Methodenwahl entscheidend sein kann! Wie bei jeder guten Regel gibt’s natürlich auch beim achten Munterrichtsprinzip ein paar Ausnahmen. Wer in die Methodensammlung blickt, wird entdecken, dass zum Beispiel beim Frischhaltequiz eine ganze Menge Vorarbeit nötig ist. Aber: In der Regel sind die Methoden eben einfach umzusetzen!