Teamentwicklung mit munteren Methoden

February 15th, 2009 by munterrichtsmethoden

Mit den Munterrichtsmethoden lässt sich allerhand lehren, trainieren und lernen. Von A wie Agrarwissenschaften bis Z wie Zahntechnik werden die Methoden in vielen Lernbereichen genutzt.

Bei einem meiner Lieblingsthemen, der Einführung und Arbeit mit Team Management Systems sind mir die Munterrichtsmethoden seit vielen Jahren eine große Hilfe. Die Forschungsergebnisse von Charles Margerison und Dick McCann sind eine prima Unterstützung für den Arbeitsalltag. Sie liefern klare, eingängige und hilfreiche Modelle für Projektarbeit, Stellenbesetzung, Zusammenarbeit und Teamentwicklung.

In den vergangenen Jahren habe ich gemeinsam mit meiner Kollegin Betty Boden viele der Munterrichtsmethoden nutzen können, wenn wir Gruppen mit TMS vertraut machen oder Teams damit trainieren.

Nun gibt es, angeboten vom TMS-Zentrum Deutschland, im Juni sowie im November einen besonderen Methodentag.  Akkreditierte TMS Trainer können dabei ein gutes Dutzend pfiffiger Methoden für die Arbeit mit den Modellen kennen lernen und ganz praktisch erproben. Zum Beispiel die “Spinatfrage” oder das “Arbeitsfunktionskonklave”. Mehr Informationen dazu gibt es direkt auf der Seite des TMS Zentrums Freiburg unter http://www.tms-zentrum.de/praxismethoden.

Wie kann ich Gruppen intensiv Texte lesen und verstehen lassen?

February 15th, 2009 by munterrichtsmethoden

Eine Idee aus Bielefeld

Letzten Freitag durfte ich 14 Dozentinnen und Dozenten an der Universität Bielefeld mit einer Auswahl von Munterrichtsmethoden vertraut machen. Mit Offenheit und Neugier haben wir einen Tag lang Methoden ausprobiert. Die Bielefelder Unidozenten haben munter experimentiert – und viele neue Ideen beigesteuert. Eine Methodenidee beschäftigt mich besonders, und deshalb möchte ich sie heute in die Versuchsküche bringen. Noch ist es nicht ganz ausgegoren. Genau richtig für die Versuchsküche im Blog!

Es ist eine Lesemethode. Und nach Lesemethoden halte ich schon länger Ausschau. So funktioniert sie:

Ich habe Texte und will, dass die Lernenden sich mit den Inhalten intensiv vertraut machen.  Damit die Methode X (ich habe noch keinen richtig passenden Namen gefunden) funktioniert, brauche ich drei oder vier gleich umfangreiche Texte. Jeder der Texte muss einzeln zu verstehen sein – zunächst ohne das Wissen der zwei oder drei anderen. Im Beispiel eines Seminars zum politischen System der BRD könnte es um die Kanzlerschaften gehen. Ich habe kurze Texte (ca. 2 Seiten) zu den ersten vier Kanzlerschaften, also Adenauer, Erhard, Kiesinger, Brandt.

Nun bilde ich flott Gruppen. Bei 16 Teilnehmern vier Gruppen mit je vier Mitgliedern. Jede dieser Kerngruppen erhält ein Paket mit vier verschiedenen Texten. (zu Adenauer, Erhard …) Die Teilnehmer der Kerngruppe verteilen die Texte untereinander. Dann gibt es Lesezeit, in denen alle Teilnehmer ihren Text lesen.

Nach ca. 20 Minuten rufe ich die Leute aus der Lesezeit zurück und bitte sie, in neuer Formationen zusammenzukommen. Jetzt treffen sich alle Menschen, die den gleichen Text gelesen haben. Also alle Kiesinger-Leser kommen zusammen. In dieser Expertengruppe “Kiesinger” tauschen sich die vier Leser über den Text aus. Sie erarbeiten miteinander, was sie für wesentlich halten und bereiten sich so auf den nächsten Schritt vor.

In Schritt 3 nämlich verlassen die Kiesinger-Leute ihre Expertengruppe. Nun kommen sie wieder mit den Kollegen von Schritt 1, mit ihrer Kerngruppe zusammen. Die vier Menschen haben inzwischen unterschiedliche Texte gelesen. Zu Adenauer, Erhard, Kiesinger und Brandt. Jetzt stellen sie sich reihum die Inhalte ihrer Texte vor und diskutieren darüber.

So haben alle Teilnehmer Informationen zu allen Texten. Klar: Der Text, den ich selbst bearbeitet  und wiedergegeben habe, ist mir besonders vertraut. Bei den anderen drei Texten hängt es davon ab, wie gut mir die Kollegen die Sache erklären konnten.

Mir gefällt an der Idee, dass sie die Lernenden zum konsequenten “Ausatmen”, also Wiedergeben und Erklären der Texte fordert. Und dass die Teilnehmer ganz alleine Texte erschließen.

Ich will es bald ausprobieren. Noch frage ich mich, wie es danach weitergeht? Ist die Sache beendet? Geht man die Texte noch einmal gemeinsam durch? Experimentieren ist angesagt. Ich freue mich über Ideen und Erfahrungen der Blogleser!

Methode des Monats Januar

January 31st, 2009 by munterrichtsmethoden

Begriffspaten

“Wie kann ich die Lernenden noch besser in die Seminare miteinbeziehen”, “Was kann ich tun, damit die Teilnehmer eine noch aktivere Rolle übernehmen?”, fragte mich kürzlich eine Hochschuldozentin. Anlass für mich, im Januar die Munterrichtsmethode “Begriffspaten” vorzustellen. Die Sache ist – wie so viele Munterrichtsmethoden – ganz einfach:

Schauen Sie zu Beginn der Seminarplanung auf Ihr Stoffgebiet. Zum Beispiel dieses:”Das politische System der Bundesrepublik Deutschland – Eine Einführung”. Sammeln Sie Begriffe, die Sie im Seminar auf alle Fälle ansprechen, erklären, besprechen wollen. Die Liste bei unserem Beispielthema könnte so aussehen: “Fraktion”, “Ministerialbüroktratie”, “Konstruktives Misstrauensvotum”, “Bundesverfassungsgericht”, “Föderalismus”, “SPD”, “CDU”, “Richtlininienkompetenz” usw.

Alle diese Begriffe sind wichtig. Ich als Dozent könnte sie einführen, vorstellen, erklären. Ich könnte sie aber auch zu Beginn der Veranstaltung an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer übergeben.  Jeder Lernende übernimmt die Patenschaft für einen Begriff. Entweder die Lernenden wählen sich auf Karten – an der Tafel am Boden sichtbar, oder aus der Liste – einen Begriff aus. Oder sie ziehen sich einen Begriff aus dem Lostopf.

Für diesen Begriff übernehmen sie nun eine kleine Patenschaft. Das heißt, dass die Lernenden zu ihremWort recherchieren, sich kundig machen. Im Seminar haben sie als Pate die Aufgabe, ihren Begriff kurz vorzustellen, die anderen mit dem Thema bekannt zu machen. Sie können die Lernenden auch bitten, eine kurze Begriffsbeschreibung – zum Beispiel auf einer A 4 Seite – zu liefern. So entsteht ein kleines Lexikon zum Seminar.

Wer wann seinen Begriff vorstellt, können Sie per Liste regeln. So kommt jeweils an der passenden Stelle ein Beitrag von den Lernenden.

Ich selbst habe diese Methode als Student erlebt. Es war in meinem ersten Semester “Einführung in die Soziologie” im Wintersemester 1994/1995. Meinen Begriff erinnere ich noch genau: “Freizeitsoziologie”, obwohl es gut 14 Jahre zurückliegt. Warum? Weil ich aktiv gefragt war, weil ich mich mit dem Begriff beschäftigen musste. Ich habe eine Patenschaft übernommen!

Viele gute Tipps für alle, die sich mit dem Schreiben schwer tun

December 9th, 2008 by munterrichtsmethoden

“Alle an der Universität schreiben – aber niemand spricht darüber” – mit diesem Satz beginnt eine aktuelle Seite des Schreiblabors Bielefeld. Sieben schreibende Wissenschaftler berichten in Podcasts über ihre Schreibstrategien. Sie erzählen, was ihnen schwer fällt, wie sie sich helfen und wie sie das Schreiben gelernt haben. Ich habe viele schöne Anregungen gefunden und empfehle die Seite allen, die Diplomarbeiten, Bachelorarbeiten, Bücher oder Fachtexte schreiben.

Methode des Monats Dezember

December 7th, 2008 by munterrichtsmethoden

Schätzfrage

Schätzen finden viele Menschen aufregend. Die spannende Frage ist: Lande ich mit meinem Tipp den erhofften – aber doch unwahrscheinlichen – Volltreffer? Oder liege ich mit meiner Schätzung voll daneben?
Weil gute Schätfzragen faszinieren und fesseln können, lässt sich daraus leicht eine ganz unkomplizierte Munterrichtsmethode machen, mit der man die Aufmerksamkeit auf eine Frage lenken kann.
Die größte Herausforderung liegt meist darin, den richtigen “Stoff” zum Schätzen zu finden. Es lohnt sich dazu, die Seminarbausteine zu durchforsten: Schauen Sie sich an, was Sie im Seminar vorstellen, sagen und erklären wollen. Prüfen Sie, aus welchen Aussagen sich eine pfiffige Schätzfrage zimmern lassen könnte.
Ihre Frage sollte die Lernenden einerseits auf unbekanntes, ein wenig unsicheres Terrain führen. Denn wenn zwei Drittel der Lernenden die Antwort vermutlich bereits kennen, geht die Spannung verloren. Dann ist nicht Schätzen, sondern Wissen gefragt. Den Zauber einer guten Schätzfrage macht andererseits aus, dass die Lernenden doch eine – zumindest kleine – Chance haben, mit dem Tipp richtig zu liegen. Wenn Sie eine geeignete Schätzfrage gefunden haben, dann sollten Sie darauf achten, die Frage so eindeutig wie möglich zu formulieren. Wenn die Lernenden erst 3, 4 oder 5 Mal nachfragen müssen, wie Sie die Frage interpretieren sollen, dann geht der Reiz am Schätzen leicht verloren. Bei kniffligen Fragen lohnt es sich, die Frage für alle gut sichtbar zu visualisieren.
Ein Beispiel: Montagmorgen, 7.15 Uhr, Berliner Charité, großer Hörsaal. Pharmakologievorlesung. Der Professor fragt die (müden) Studenten: “Was schätzen Sie? Welche Nebenwirkungen werden in Deutschland durch Einnahme von Medikamenten am häufigsten ausgelöst?”

Ich setze Schätzfragen gerne ein, wenn ich das Interesse der Gruppe auf ein Thema lenken will. (So wie bei Ihnen jetzt gerade – was Schätzen Sie denn? Welche Nebenwirkungen werden am häufigsten ausgelöst?) Bei guten Schätzfragen kann ich beobachten, wie die Aufmerksamkeit in der Gruppe steigt, wie die Teilnehmer die Köpfe recken und Spannung in die Runde kommt.
Bevor der erste Teilnehmer seinen Tipp äußert, gebe ich den Lernenden gerne ein wenig Zeit zum Nachdenken. Und bei ganz zentralen Schätzfragen bitte ich manchmal auch darum, die Vermutung deutlich auf eine Moderationskarte zu schreiben. Wie die Jury beim Eiskunstlauf halten die Teilnehmer dann ihre Tipps hoch.
Ganz egal, wie die Teilnehmer antworten. Der für das Seminar wertvolle Teil kommt meist erst nach der unmittelbaren Antwort auf die Frage. Wir fragen die Teilnehmer nämlich gerne, wie sie auf ihre Antwort gekommen sind. “Wie kommen Sie gerade auf Herz-Kreislauf-Probleme?” In der Regel liefern die Leute dann sehr brauchbare Begründungen, mit denen wir später weiterarbeiten können.
Das Schöne an Schätzfragen: Mit geringem Aufwand, ohne Material und große Vorbereitungen können Vorträge und Seminare effektiv aufgemuntert werden.

Ach übrigens: Als häufigste Nebenwirkungen treten Hautausschläge und Allergien auf.

Methode des Monats Oktober

November 17th, 2008 by munterrichtsmethoden

 „Lehr-Lern-Gang“ – Wiederholen mit Bewegung

Im Laufe mancher Seminartage entsteht eine ganze Menge Material: Sie als Trainer beschriften Flipchartbögen und Moderationskarten. Sie entwickeln Übersichten, Fachlandkarten und Diagramme, anhand deren Sie die Seminarinhalte erklären. Und häufig erstellen auch die Lernenden sichtbare Werke.

All das entstandene Material kann auch nach seinem ersten Einsatz weiter genutzt werden. Daraus lässt sich nach ein oder zwei Seminartagen eine kleine Ausstellung zusammenstellen. Mit ein wenig Kreppklebeband können die Bögen, Karten und Poster unkompliziert im Raum und auf dem Flur an den Wänden befestigt oder einfach auf Tischen und Böden ausgelegt werden.

Den neuen Tag oder die neue Einheit beginnt dann mit einem Lehr-Lern-Gang. Und der sieht so aus:
„Hallo und guten Morgen. Wie Sie sehen, hat sich hier eine Menge verändert. Im Raum und draußen auf dem Flur habe ich die Plakate, Flipcharts und Landkarten, die in den letzten Tagen entstanden sind, ausgestellt. Dazwischen hängen auch ein paar unserer zentralen Seminarfragen. Ich bitte Sie, sich einen Partner Ihrer Wahl zu suchen. Stellen Sie sich nun vor, Sie wären bei einer Vernissage und spazierten gemeinsam mit Ihrem Begleiter von Exponat zu Exponat. Lassen Sie sich Zeit, um die einzelnen Ausstellungsstücke genau zu betrachten und mit Ihrem Partner zu besprechen. Sie haben die Aufgabe, Ihre Erinnerungen an die jeweiligen Werke noch einmal aufzufrischen. Dabei bitte ich Sie, folgendermaßen vorzugehen: Jeweils einer von Ihnen übernimmt die Rolle des Ausstellungsführers. Er erklärt das Exponat und berichtet, was er dazu denkt und weiß. Der andere Partner hört zu, fragt nach und kann dann ergänzen, was ihm zum jeweiligen Gegenstand noch einfällt. Bevor Sie weitergehen, wechseln Sie die Rollen. Für Ihren Gang durch die Ausstellung haben Sie 15 Minuten Zeit. Viel Spaß!“

Wenn alle Teilnehmer Bescheid wissen, ziehen sie los. Sie verteilen sich zu den verschiedenen Ausstellungsstücken und beginnen mit dem Vernissage-Smalltalk. Was so leicht und so locker klingt, bietet den Teilnehmern eine gute Lernchance. In der Rolle des Ausstellungsführers sind die Lernenden gefordert, ihr Wissen und ihre Erinnerungen flott abzurufen und in einem kurzen Vortrag wiederzugeben. Das ist eine prima Übung! In der Rolle des Zuhörers erhalten die Teilnehmer mit den Zusammenfassungen ihrer Kollegen noch einmal eine Auffrischung des behandelten Stoffs. Durch den laufenden Wechsel zwischen Erinnern, Erzählen und Erklären auf der einen Seite und Zuhören und Nachfragen auf der anderen Seite wird der Lehr-Lern-Gang noch dazu kurzweilig. Schön ist daran auch, dass die Methode ein wenig körperliche Bewegung in den Seminaralltag bringt. Gerade nach oder vor längeren „Sitzungen“ ist das den Teilnehmern und auch mir als Trainer sehr willkommen!

Von den Lernenden selbst erhalte ich häufig Rückmeldungen wie diese: „Ich bin überrascht, was wir hier schon alles gemacht haben. Gut, dass wir uns die Ergebnisse noch einmal angeschaut haben. Sonst hätte ich sie bestimmt bald wieder vergessen!“ oder „Beim Erklären habe ich genau gemerkt, was ich verstanden habe und was nicht!“

Oft tauchen bei den Ausstellungsgesprächen in den Teams auch Fragen auf – manchmal bei vielen Paaren am selben Exponat. Im Anschluss an den Lehr-Lern-Gang bitten wir die Teilnehmer, kurz zu berichten, wie es ihnen ergangen ist. Dann können wir offene Fragen und ungeklärte Themen gleich aufgreifen und bearbeiten.

Damit eine ordentliche Sammlung zusammenkommt, sollten Sie mindestens zehn Flipchartbögen, Plakate oder andere Stücke aus dem Seminar bereithalten. Möglich ist auch, einfach Überschriften und wichtige Schlagworte aus der Fortbildung auf Karten zu schreiben und diese auszustellen.

Im Seminar begrüßen ich die Lernenden zum Lehr-Lern-Gang gerne mit einem Glas Sekt oder Saft. Es ist ja schließlich eine Vernissage. Also dann – Prost!

Methode des Monats September 2008

September 17th, 2008 by munterrichtsmethoden

Blinde Entscheidung

„Wie schaffe ich es, möglichst viele Teilnehmer zum Mitmachen, Mitdenken, Mitentscheiden zu bewegen?“ – eine Antwort darauf bot die Methode des Monats im August – das Brillenträgervotum. Dabei war eine bestimmte Teilgruppe – die Brillenträger, Schwaben, Männer oder Frauen – direkt angesprochen. Alle Personen sind bei der „Blinden Entscheidung“ gefragt, die ich Ihnen im September vorstelle:

Mit der „Blinden Entscheidung“ können Sie die Aufmerksamkeit der Lernenden auf eine besonders wichtige Frage lenken. Zunächst weihen Sie dabei die Lernenden in das Vorgehen ein: „Ich werde Ihnen gleich eine für unser Thema wesentliche Frage stellen. Bei dieser besonderen Frage gilt auch eine besondere Spielregel für das Antworten. Und zwar diese: Sie haben zwei Möglichkeiten: Entweder antworten Sie mit „Ja“, dann halten Sie Ihren Daumen nach oben; oder mit „Nein“, dann halten Sie Ihren Daumen nach unten. Haben Sie die Spielregel verstanden?“

Wenn nun alle Daumen nach oben gehen, können Sie fortfahren:
„Nachdem die Regel für alle klar ist, können Sie es sich jetzt ganz gemütlich machen. Lehnen Sie sich zurück, strecken Sie die Beine aus, und machen Sie es sich so bequem wie möglich. Ich bitte Sie nun, Ihre Augen zu schließen – es wird Ihnen nichts Unangenehmes passieren. Gleich kommt die Frage. Bitte stimmen Sie mit Ihrem Daumen ab, und halten Sie Ihr Votum so lange aufrecht, bis ich Bescheid gebe.“

Wenn alle Formfragen geklärt sind, kommt Ihre Frage. Zum Beispiel diese in einem Seminar zur politischen Bildung: „Sollten Ihrer Meinung nach junge Menschen schon mit 16 den Bundestag wählen dürfen? Ja oder nein?“

Geeignet sind Fragen, die in der Regel nicht eindeutig falsch bzw. richtig beantwortet werden können. Die spannendsten Denk- und Diskussionsprozesse lösen Fragen aus, die man gewöhnlich am liebsten mit „Jein“ beantworten möchte, bei denen man hin- und hergerissen ist.

Wenn alle Lernenden mit ihrem Daumen abgestimmt haben, bitten Sie die Teilnehmer, die Daumen weiter zu halten und die Augen zu öffnen. Nun wird es spannend. Wie haben sich die anderen entschieden?

Sie können die Gruppe nun bitten, sich neu zu platzieren. Auf der einen Seite diejenigen, die mit „Ja“, auf der anderen Seite jene, die mit „Nein“ gestimmt haben. Sie können in die Runde fragen: „Sie haben mit „Ja“ geantwortet. Was hat Sie dazu bewogen?“

Häufig ist die „Blinde Entscheidung“ der Start einer lebhaften Diskussion, bei der alle Lernenden durch ihre Entscheidung beteiligt sind und persönlich Stellung bezogen haben. Das Gespräch wird von Ihnen moderiert, während die Gruppe Pro- und Kontra-Argumente sammelt und diskutiert.

Seit vielen Jahren setze ich die Methode immer wieder ein. Und immer wieder ist es für die Teilnehmer – und auch für mich spannend. Denn: Die Augen zu schließen, nicht zu wissen, was passiert, was die anderen tun – das war schon als Kinder spannend. Und es ist es noch immer!

Wer wird Millionär an der Uni II

September 15th, 2008 by munterrichtsmethoden

Bereits im März habe ich freudig über den munterrichtenden Professor aus Frankfurt berichtet. Nun freut sich RTL mit. In einem kleinen Film auf YouTube ist zu sehen, wie die muntere Vorlesungspraxis von Pharmazieprofessor Dingermann an der Universität Frankfurt aussieht. An sich ist die Sache ganz einfach: Der Professor doziert nicht nur; zwischendurch stellt er auch Fragen. Das Besondere dabei: Alle Studierenden sind angesprochen und gefordert, ihre Antwort elektronisch abzugeben. Und dann wird auf der Basis der Antworten weitergearbeitet. So bleiben die Studenten wach bei der Sache. Sie selbst sagen im Film: „Es hält einen aufmerksam!“, „Man überprüft sich selbst!“ oder „Das verhindert, dass man in den Dämmerzustand absinkt!“

Was der fragende Prof mit technischer Ausstattung für viele macht, ist prima. Denn so zieht der Lernstoff nicht einfach nur müde an den Studierenden vorbei. Sie sind aktiv eingebunden und gefragt, sich mit den Themen auseinanderzusetzen. Und das erhöht ganz nebenbei die Verarbeitungstiefe und damit den Lerngewinn.

In der Methode des Monats September finden Sie in Kürze eine Idee, wie Sie auch ohne TED-System alle Lernenden am Frageprozess beteiligen können.

Versuchsküche 2 – Munterrichtsmethoden fürs Klassentreffen

September 9th, 2008 by munterrichtsmethoden

10, 30 oder gar 50 Jahre danach sehen wir uns nun also wieder: Beim Klassentreffen. Das ist aufregend. Wer kommt? Wie sehen die Leute aus? Im Grund gleich wie eh und je oder ganz verändert und fremd? Wie leicht fällt es, miteinander ins Gespräch zu kommen? Was wird das für ein Abend – so viele Jahre danach?

Ursula Winterscheidt, eine Leserin und Nutzerin der Munterrichtsmethoden, schrieb mir. Sie freut sich auf das Treffen ihrer Volksschulklasse in wenigen Tagen und fragt, ob sich das Treffen mit ein paar Varianten der Munterrichtsmethoden bereichern lässt.

Eine schöne Anfrage. Hier kommen meine ersten Ideen:

Erinnerungsgang („Lehr-Lern-Gang“, Seite 62)

Sammeln Sie im Organisationsteam Begriffe und Ereignisse aus der Schulzeit, zum Beispiel Namen von Lehrern, Mitschülern, Ausflüge, besondere Themen, aufregende Situationen usw. Schreiben Sie diese Begriffe gut lesbar auf A4-Bögen, zum Beispiel: „Herr Biber“, „Sprachlabor“, „Schullandheim im Burgund“ usw. Hängen Sie die Bögen im Lokal, in dem Sie sich treffen rund herum an den Wänden auf, legen Sie sie an Tischen aus. In der Start- und Ankommensphase bilden Sie per Los Paare unter den alten Vertrauten. Jedes Paar hat nun die schöne Aufgabe – vielleicht mit einem Glas Sekt – von Exponat zu Exponat zu gehen und sich darüber auszutauschen. So kehren ganz sanft Erinnerungen zurück – und die Gespräche kommen in Schwung. Und: Man bewegt sich auch ein wenig und sitzt nicht nur!

Lügenspiel

Zu Beginn des Klassentreffens begrüßen sie die Kameradinnen und Kameraden. Jeder Teilnehmer erhält einen A4-Bogen, auf dem drei Fragen stehen. Zum Beispiel diese: „Diesen Kindheitstraum habe ich verwirklicht“, „Über diese Episode aus unserer Schulzeit muss ich manchmal heute noch lachen“, „Eine Besonderheit aus meinem heutigen Leben“. Nun haben alle die Aufgabe, die drei Fragen zu beantworten. Allerdings gilt es, bei einer der drei Antworten eine Lüge einzubauen. Wenn alle ihr Antworten eingetragen haben, bitten Sie die Schulkollegen, aufzustehen und sich – mit einem Kreppklebestreifen – ihren Bogen auf ihren Rücken zu kleben. Jeder Teilnehmer bekommt nun Moderationsklebepunkte in Anzahl der Teilnehmer. Dann geht es los. Alle haben die Aufgabe, umherzugehen und die Lügenpunkte dort anzubringen, wo sie die Lüge des Mitschülers, der Mitschülerin vermuten. Wenn alle Punkte geklebt sind, bitten Sie die Teilnehmer, die Bögen abzunehmen und kurz das Ergebnis vorzustellen. Bei Peter könnte das zum Beispiel so aussehen: „Mir ist es ganz gut gelungen, euch in die Irre zu führen. Meinen Kindheitstraum vom großen Baumhaus habe ich mir – für meine Söhne – inzwischen tatsächlich erfüllt. Es stimmt auch, dass ich immer wieder über den falschen Feueralarm lachen muss, denn wir kurz vor den Prüfungen ausgelöst haben. Gelogen habe ich allerdings hier: Ich fahre keinen Porsche. Ich lebe in Berlin und habe gar kein Auto.“ Das ganze macht Spaß und beschert viele Themen für die ersten Gespräche …

Erinnerungen von A bis Z („Von A bis Z“, Seite 54)

Sammeln Sie mit den Mitschülern Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit. Das geht ganz einfach. An ein, zwei Stellen hängen Sie im Lokal einen Flip Chart Bogen mit den Buchstaben von A bis Z auf und der Überschrift „Erinnerungen an unsere Schulzeit“. Dabei liegen Stifte. Irgendjemand – vielleicht Sie – beginnt im Laufe des Abends, Erinnerungen mit den entsprechenden Anfangsbuchstaben einzutragen. So entsteht eine anregende Erinnerungswand.

Soviel Ideen aufs erste von mir. Haben Sie weitere? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

Versuchsküche 1 – Konklave

September 5th, 2008 by munterrichtsmethoden

Juhu – los geht’s in der Versuchsküche. Ich starte mit dem „Konklave“, einem munterrichtsmethodischen Experiment, das ich schon einige Jahre erprobe.
Genauer gesagt seit April 2005, als nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. ein neuer Papst gewählt wurde.

Die ganze Welt blickte in diesen Frühlingstagen nach Rom und war gespannt, was sich hinter den verschlossenen Türen des Vatikans abspielte. Ich war beim Seminar in München und auch in den Pausen wurde spekuliert, was die 107 Herren in der Sixtinischen Kapelle taten … Die Spannung war groß!

Große Spannung – eine Steilvorlage für munteren Unterricht. Denn auch im Seminar lässt sich ein Konklave abhalten.

Voraussetzung dafür ist eine Aufgabe, bei der die Teilnehmer zu einer gemeinsamen Lösung gelangen sollen. Im Kurs „Marketing für Mittelständler“ könnte das zum Beispiel so aussehen: Am Vormittag hat der Dozent die Einsatzmöglichkeiten, Chancen und Grenzen von Onlinemarketing vorgestellt. Nach dem Essen berichtet er von einem konkreten Fall: „Die Sconza-GmbH stellt seit 29 Jahren französische Genussprodukte her. Nun stellt sich die Geschäftsleitung die Frage, ob und wie Online-Marketing eine gewinnbringende Werbestrategie sein könnte. Der Dozent berichtet noch ein wenig ausführlicher über das Unternehmen. Schließlich fragt er die Teilnehmer: „Was denken Sie? Würden Sie der Sconza-GmbH Online Marketing empfehlen? Wenn ja, wie würden Sie vorgehen? Wenn nein, welche Marketingstrategien würden Sie dem Unternehmen empfehlen?“

Auf einem Flip Chart hat der Trainer die vorgestellten Fragen visualisiert. Nun könnte er den Fall im Dialog mit der Gruppe besprechen. Er könnte auch drei Teams bilden, die die Aufgabe bearbeiten und anschließend ihre Ergebnisse vorstellen. Mit beiden Wegen hat die Gruppe aber bereits gearbeitet. Deshalb entschließt sich der Referent zu folgendem Auftrag:

„Ich bitte Sie, eine gemeinsame Lösung zu den Fragen der Sconza-GmbH zu finden. Ziehen Sie sich – wie die Kardinäle bei der Papstwahl im Konklave – mit der Aufgabe zurück. Schließen Sie sich hier zusammen. Sie brauchen keinen Papst zu wählen. Ihre Aufgabe ist es, Antworten und Lösungsvorschläge zu unserer Fallfrage zu finden. Dazu werde ich Sie gleich alleine lassen. Es liegt ganz bei Ihnen, wie Sie zur Lösung kommen und wie viel Zeit Sie sich nehmen. Melden Sie sich, wenn Sie fertig sind. Ich erwarte Ihr Zeichen.“

Nach kurzer Nachfrage, ob den Teilnehmern die Aufgabe klar ist, verlässt der Dozent den Raum, schließt die Tür. Die Kardinäle bleiben allein zurück …

Das lateinische Wort „Konklave“ kommt von con claudere, gemeinsam einschließen. Natürlich werden die Teilnehmer hier nicht tatsächlich eingeschlossen. Das wäre unverantwortlich. Die Tür ist zu – und nur die Teilnehmer von innen sollen sie öffnen, wenn sie die Aufgabe gelöst haben.

Nun ist die Gruppe allein. Jetzt wird es spannend, denn alle Verantwortung liegt bei den Kardinälen. „Wer sagt den ersten Satz?“, „Wie gehen wir vor?“, „Wer moderiert?“, „Wie gelangen wir zu einer Entscheidung?“, „Wie viel Zeit nehmen wir uns?“. Das bringt Spannung in den Seminaralltag!

Ich habe schon Gruppen erlebt, die das Konklave zu Höchstformen motiviert hat. Stolz haben mir die „Kardinäle“ anschließend ihre Ideen und Lösungen präsentiert.

Und: Die muntere Methode hat es auch für uns Dozenten in sich. Denn: Mit dem Verlassen des Raumes geben wir alle Verantwortung ab. Jetzt gilt es zu vertrauen – allein die Kardinäle bestimmen, wann ihre Entscheidung fällt …

Was denken Sie zum „Konklave“? Haben Sie Lust, die Methode auszuprobieren und über Ihre Erfahrungen zu berichten? Wir sind neugierig!